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Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart

Violinsonaten BWV 1014 - 1016, Violinkonzerte Nr. 3 & 5

Frank Peter Zimmermann, Enrico Pace, Bernard Haitink, Berliner Philharmoniker

EuroArts/Warner 8024264068
(213 Min., 1993, 1994, 2008) 2 DVDs

Als im letzten Jahr Frank Peter Zimmermann den 2. Teil der Gesamteinspielung der Mozart-Violinkonzerte vorlegte, hatte er sich kurz zuvor von seiner Stradivari namens „Lady Inchiquin“ trennen müssen. Inzwischen hat der in Duisburg geborene und in Köln lebende Weltklassegeiger das Instrument wieder. Und welche innige Beziehung er zu ihm schon vor vielen Jahren aufgebaut hat, erzählt er in dem DVD-Porträt „Bach and Me“. Überhaupt präsentiert uns die bereits 2008 gedrehte Dokumentation einen höchst reflektierten und ernsthaften, aber völlig allürenfreien Künstler, der besonders dann mit ansteckender Begeisterung ins Plaudern gerät, wenn es um einen bestimmten seiner musikalischen Säulenheiligen geht. Dieser hört auf den Namen Johann Sebastian Bach. Und für Zimmermann ist Bachs Werk zum festen Lebensbegleiter geworden. „Es ist überhaupt das Größte, diese Musik zu spielen, jedes Mal diese Musik zu durchschreiten. Auch sie zu hören“; so Zimmermann direkt zu Beginn von „Bach and Me“. Ähnlich bewundernd mögen sich selbst namhafteste Geigenkollegen geäußert haben. Wenn aber zwischen diesen Bekenntnissen als Beleg ein Ausschnitt aus der von Zimmermann und seinem Partner Enrico Pace gespielten Bach-Sonate BWV 1016 erklingt, begreift man, was er mit diesen Worten gemeint hat. Eine unwiderstehliche Würde und Schönheit entlockt Zimmermann dem „Adagio man non tanto“ da. Und dies mit einem Fluss und einer Gelassenheit, die verdeutlicht, dass man erst ab einem gewissen Reifestadium den Schlüssel für diese Musik in den Händen halten kann. Zum Glück bekommt man diese Bach-Offenbarung nicht nur häppchenweise geboten. 2008 spielte Zimmermann mit Pace im Bibliothekssaal des Kloster Polling sämtliche sechs Violinsonaten von Bach. Und mit jedem Satz unterstreicht Zimmermann seinen Status als einer der größten Musiker unserer Zeit. Dass er aber auch schon Mitte der 1990er Jahre ohne seine Stradivari auf dem besten Weg nach ganz oben gewesen ist, belegen die Live-Mitschnitte von Konzerten, die er 1993 und 1994 mit Mozarts Violinkonzerten Nr. 3 & 5 sowie Bernard Haitink und den Berliner Philharmonikern in London bzw. Berlin gegeben hat.

Guido Fischer, 04.03.2017



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