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Johannes Brahms

Die schöne Magelone

Christian Gerhaher, Martin Walser, Gerold Huber

Sony 88985311022
(94 Min., 11/2014) 2 CDs

„Der Dichter sieht bemooste Leichensteine ...“, das ist original Ludwig Tieck, aber bald schon wird der gerade 90 Jahre alt gewordene Martin Walser trotz seines schwäbelnden Altherrenduktus nüchterner. Prosaisch modern erzählt er nun also in auf schlackenlos getrimmten Worten seine Fassung der „Wundersamen Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence“, wie sie Johannes Brahms in Form von 15 zum lockeren Zyklus verbundenen Romanzen über einen langen Zeitraum bis 1869 vollendete. Das ist hochromantisches Lebensgefühl als empfindsamer Stimmungszauber eines Nachgeborenen. Aber schwierig im Konzertsaal, wenn die verbindende Handlung fehlt. Sie ist aber auch nicht leicht zu ergänzen. Viele haben das schon versucht. Christian Gerhaher und Walser machen das auf dieser Doppel-CD als gute Paarung. Mag der hauptberufliche Großschriftsteller mit seiner starken Dialektfärbung erst bieder anmuten, dann bekommt das bei aller Aufgeräumtheit des von ihm neu gefassten Textes doch etwas gemütvoll Authentisches, lächelnd Ironisches. Und es passt auch zum stets ganz leicht oberlehrerhaften, gleichwohl mustergültig natürlichen Singansatz des hochgeschätzten Baritons. Der lässt es, unterstützt von seinem nobel-zurückhaltenden, aber präsenten Lebensklavierpartner Gerold Huber, lyrisch perlen, hochgeschürzte Gefühle gibt es ja hier schon genug. Was zunächst als etwas bemühte Bildungsübung anhebt, spricht und singt sich schnell frei. Und dann ist auch sogar das Moos von den Leichensteinen weg.

Matthias Siehler, 11.03.2017



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