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Giovanni Paolo Colonna, Giuseppe Torelli, Giacomo Antonio Perti, u.a.

Bologna 1666 (Concerti & Sinfonien)

Kammerorchester Basel, Julia Schröder

dhm/Sony 88985315592
(67 Min., 2/2016)

Venedig und Rom galten schon immer als die italienischen Musikmetropolen. Und auch wenn im 18. Jahrhundert dann noch Mailand hinzu kam, ist bis heute eine andere Stadt vom Alte Musik-Radar noch kaum erfasst worden, die im 17. Jahrhundert ebenfalls eine große Anziehung auf die Komponisten jener Zeit ausübte. Es ist die Emilia Romagna-Kapitale Bologna, die nicht zuletzt mit ihrer 1666 gegründeten Accademia Filarmonica ein bedeutsames Musikzentrum besaß. Anlässlich des 350. Geburtstages der Accademia hat nun das von Konzertmeisterin Julia Schröder geleitete Kammerorchester Basel ein musikalisches Porträt der Barockmetropole Bologna und ihrer Wortführer eingespielt. Und das Ergebnis kann sich schon deswegen hören lassen, weil die zusammengetragenen Werke alle Erwartungen an eine mitreißende barocke Klangkunst erfüllen. Bis auf Giuseppe Torelli, der im heutigen Konzertleben dank eines Trompetenkonzerts als One-Hit-Wonder überlebt hat, sind die übrigen Komponisten nahezu unbekannt geblieben. Ob Gaetano Zavateri, Giuseppe Matteo Alberti oder Girolamo Nicolò Laurenti, ob Giovanni Paolo Colonna oder Giacomo Antonio Perti. Sie alle waren aber eben keine Kleinmeister. Schließlich besitzen ihre Streicherkonzerte und die Instrumentalsätze ihrer geistlichen Werke mitreißenden Drive und dampfende Energie, überirdische Anmut und unter die Haut gehendes Dolce. Dass der Funken ihrer Werke aber durchweg auf den Hörer überspringen kann, verdanken sie selbstverständlich der mehr als nur engagierten Musizierhaltung des Kammerorchester Basel. Und was Julia Schröder auf ihrer Violine an Kunststückchen vollbringt, bekommen selbst all die Giuliano Carmignolas & Co. nicht feuriger und spritziger hin.

Guido Fischer, 08.04.2017



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