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Henri Duparc, Maurice Ravel, Benjamin Britten, Claude Debussy, Charles Koechlin

Parfum (Orchesterlieder)

Christiane Karg, David Afkham, Bamberger Symphoniker

Berlin Classics/Edel 0300832BC
(74 Min., 7/2016)

Alain Lanceron, Warner-Klassikchef, unerbittlicher Beschützer der französischen Sprache und der Lobhudelei für die Sopranistin eines Konkurrenz-Labels gänzlich unverdächtig, war begeistert: „Merveilleux“, schnalzte der weitgereiste Vokal-Gourmet anlässlich von Christiane Kargs Münchner Blanche in „Les dialogues des carmelites“ kürzlich mit der verwöhnten Zunge. Als hätte er es geahnt, setzt die bayerische Sopranistin für ihr jüngstes Soloalbum ganz auf französische Mélodies — allerdings mit Orchester. Und wieder hat sie nicht nur die naheliegenden Nummern ausgewählt, sondern ist auch beim frühen Benjamin Britten und bei John Adams fündig geworden, der 1994 vier Debussy-Lieder aus dessen Baudelaire-Album fast ein wenig straussisch orchestriert hat. Dazu gibt es Zyklen und Einzelstücke von Duparc, Koechlin und Ravel. Schon der Anfang, das sinnlich schillernde „Asie“ aus dem Zyklus „Shéhérazade“ verheißt Allerschönstes. Wobei Christiane Karg gleich zwei Herausforderungen meistert: Sie gestaltet die Gedichte von Charles Baudelaire, Leconte de Lisle, Paul Verlaine oder Victor Hugo sprachlich mit Akkuratesse und Flair. Und sie singt diese zarten Notengespinste trotzdem mit unendlich vielen Farben, manchmal leicht rauchig, schön profund in der Tiefe, aber auch hell aufstrahlend, und vermeidet so jede Gleichförmigkeit. Dabei entsteht ein zarter, irisierender oder durchscheinender Mix aus Bedeutung, Klang, Dynamik und Schattierung, ja, könnte man ihn jetzt auch noch riechen, so wäre es wirklich jenes „Parfüm“, womit der Plattentitel wirbt — und trotzdem nicht übertreibt. Auch weil die Bamberger Symphoniker unter David Afkham so idiomatisch dicht begleiten.

Matthias Siehler, 08.04.2017



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