Gerade hat sein Cembalo-Kollege Andreas Staier eine große Verteidigungsrede auf Jean Rondeau gehalten, weil der von Mahan Esfahani ziemlich gedisst wurde. Hätte er gar nicht müssen. Denn Rondeaus CDs sprechen eigentlich für sich: Das ist technisch makelloses Tastenspiel der besonders sensiblen, kreativen und freisinnigen Sorte. Ja, es hat das, was immer alle wollen: Es swingt; und nicht nur weil dieser Interpret Jazz auch wirklich kann – und es nicht nur behauptet. Nach seinem ersten Bach-Soloalbum hat er sich nun auf „Dynastie“ gemeinsam mit nur sechs Mitstreitern (als Streichquintett plus Fagott) vier Cembalokonzerten und einer transkribierten Sonate des Thomaskantors und drei seiner vier komponierenden Söhne zugewandt. So lustig und hintersinnig wie seine kurzen Booklettexte über den sozialen Wert der Kaffeebohne, das Leipziger Etablissement Zimmermann als Ort nicht nur der Geselligkeit, sondern auch des gemeinsamen Musizierens ist auch das Hören dieser 76 Minuten. Das ist hinreißende Kommunikation nach Noten von französischer Clarté und deutscher Variationsdisziplin, quellfrisch und energetisch sprudelnd dargeboten von einer Gruppe gleichdenkender musikalischer Freunde. „Der Schatten Johann Sebastians, das ist ein Boden der Moderne, der Kühnheit, der Ort musikalischen Elans schlechthin“, schreibt Rondeau, und so spielt man hier auch: Musik als anderes Mittel des Gesprächs, das Miteinander als quecksilbriger Ideenaustausch – farbenreich und verträumt, temperamentvoll und feinsinnig. Da muss sich auch keiner der Söhne vor dem Vater verstecken.

Matthias Siehler, 29.04.2017



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