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Claudio Monteverdi, Biagio Marini, Alessandro Grandi, Giovanni Paolo Cima, Alessandro Piccini, Dario Castello u.a.

The Heritage Of Monteverdi

La Fenice, Jean Tubéry

Ricercar/Note 1 RIC 374
(432 Min., 1995 - 2000) 7 CDs

Italienischer Frühbarock und kein Ende: Über Jahrzehnte hinweg hat Jean Tubéry mit Unterstützung des Labels Ricercar im Blick auf diese Epoche Pionierarbeit geleistet. Große Mengen von Musik, die ehedem und zu großen Teilen auch noch heute allenfalls in Denkmalausgaben verfügbar ist, hat er gesichtet, erforscht, eingerichtet und zum Erklingen gebracht. Das Monteverdi-Jahr 2017 gab nun Gelegenheit, Musik vom Jubilar selbst und aus seinem Umkreis in einer Box anzubieten, die insgesamt sieben CD-Produktionen aus den Jahren 1995 bis 2000 enthält.
Mit unterschiedlich zusammengestellten All-Star-Ensembles, in denen wir u. a. Gebhard David, Frithjof Smith und Tubéry selbst als Zinkenisten, Christina Pluhar als Theorbistin, Jörg Andreas Bötticher und Jean-Marc Aymes als Organisten oder Maria Cristina Kiehr, Salomé Haller, John Elwes und Ulrich Messthaler als Vokalisten begegnen, zelebriert Tubéry vor allem norditalienische Musik aus der Zeit vom Ende des 16. Jahrhunderts bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts hinein. Sein Thema ist – unter verschiedenen programmatischen Gesichtspunkten betrachtet – jeweils das selbstbewusste Erstarken einer Instrumentalmusik, die sich aus der seinerzeit schon mit Siebenmeilenstiefeln vorausgeeilten neuen, rhetorisch basierten Expressivität der Solo-Vokalmusik entwickelt und sich schnell emanzipiert. Immer wieder wird vokale Virtuosität der instrumentalen gegenübergestellt; die klangliche Verwandtschaft von Zink und menschlicher Stimme wird exponiert, die Entstehung einer rein instrumentalen Mehrchörigkeit aus dem ursprünglichen vokal-instrumentalen Dialogisieren wird erfahrbar gemacht.
Vor diesem Hintergrund bietet die Box fast verschwenderischen musikalischen Reichtum in guten bis sehr guten Interpretationen, verständlich gemacht durch die Beihefttexte der jeweiligen Erstveröffentlichungen. Eine ideale Anthologie für den Liebhaber dieser Epoche – und auch für jeden, der es noch werden will.

Michael Wersin, 29.04.2017



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