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A Million Things

Rohey

Jazzland/Edel 1079190JZL
(40 Min., 2016)

In der Rock- und Jazzwelt wurde ja schon immer gerne gerätselt, wie wohl das geplante, aber nie zustande gekommene Treffen zwischen Jimi Hendrix, Miles Davis und Paul McCartney geklungen hätte. Dank des Debütalbums des Quartetts Rohey weiß man jetzt aber immerhin, was hätte passieren können, wenn Amy Winehouse, Bugge Wesseltoft und Go Go Penguin aufeinander getroffen wären.
Der Viererbund, der sich beim Studium im Konservatorium in Trondheim kennenlernte, kombiniert geschickt den retrofuturistischen NuJazz der 90er Jahre mit dem Amy-Soul der Nullerjahre und den Grooves der Gegenwart. Ein schummriger Beat à la Robert Glasper ist da zu hören („Is This All There Is?“), aber auch die ruckartige Stimmungsbrüchigkeit eines Jack Garrat (etwa in „Responsibilities“) oder die Piano-Trio-Experimente der jüngeren Vergangenheit haben unüberhörbar ihre Spuren hinterlassen (wovon beispielsweise „Tell Me“ Zeugnis ablegt).
Die Band mag zwar den Namen der Sängerin Rohey Taalah tragen, die mit ihrem rauchigen Timbre und ihrer Phrasierung vor allem in der Ballade „Now That You Are Free“ deutliche Erinnerungen an Amy Winehouse weckt. Aber Keyboarder und Komponist Ivan Blomqvist, Bassist Kristian B. Jacobsen und Schlagzeuger Henrik Lødøen sind nicht bloß Beiwerk der markanten Stimme der Frontfrau. Ihre Bandbreite, die von kammermusikalischen Andeutungen à la Bill Evans über 80er-Synth-Anleihen, Nils-Petter-Molvaer-Soundscapes, Massive-Attack-Nostalgie bis hin zu roher Rock-Energie reicht, verhindert, dass der Album-Erstling auch nur an einer Stelle nach gestrigem Soul-Einerlei klingt. Man hört vielmehr eine kraftvolle Band, bei der man sich nicht nur den Namen der Sängerin merken sollte.

Josef Engels, 29.04.2017



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