Responsive image

KY Organic

Sebastian Studnitzky

Contemplate/Cargo 00111233
(54 Min.)

Der Trompeter und Pianist Sebastian Studnitzky hat eine Vorliebe für die hinteren Buchstaben des Alphabets. „KY Organic“ heißt sein neues Album, was vom Namen her entfernt an eine Hautcreme für Hipster erinnern mag. „XJAZZ“ lautet der Name seines erfolgreichen, 2014 gegründeten Festivals, wo neben genannten Hipstern auch alle anderen Berliner mit unorthodoxen Vorstellungen von improvisierter Musik hinströmen.
„X+Jazz“: Die Inhaltsstoffe von Studnitzkys Konzertreihe bestimmen auch seine eigene Musik. Mit seinem Quartett rührt der auf dem Cover des Albums in Milch badende Bandleader minimalistische Mixturen und facettenreiche Stil-Shakes an, die sich um das Reinheitsgebot des Jazz, das Studnitzky in Berklee oder vom BuJazzO vermittelt wurde, herzlich wenig scheren. Da bändeln schon im ersten Track „Luba“ akustischer Gitarren-Pop à la Dominic Miller (mit dem Studnitzky in der Vergangenheit zusammenarbeitete) und skandinavische Trompeten-Flauschigkeit (die der geborene Württemberger regelmäßig an der Seite von Nils Landgren oder Mezzoforte ausspielt) miteinander an.
„Watergate“ ist dann nicht nur nach einem Berliner Club benannt, sondern klingt auch so: nach House und Tanzvergnügen, in das sich aber auch eine gewisse Düsternis irgendwo zwischen spätem Miles und frühem Radiohead hineinmischt. „Organic“ und „C'mon Move“ schlagen mit Handclaps und blubbernden Synthbässen in ähnliche technoide Kerben. Dabei bleiben Studnitzky, Gitarrist Laurenz Karsten, Bassist Paul Kleber und Schlagzeuger Tim Sarhan aber dem Motto des Albums treu: Es handelt sich um weitestgehend handgemachte Club-Musik, die sich organisch mal in Richtung Ibrahim Maalouf („Anemos“), mal in Richtung Dub-Reggae („Milad“) bewegt.
Als herausragend erweist sich dabei nicht nur Studnitzkys Trompetenspiel, sondern auch seine Klavierbeherrschung. Von Romantik (wie im solo vorgetragenen Abschluss „Aviso“) über Jazzfingerfertigkeit bis hin zu Loopspielereien mit abgedämpften Saiten im Gefolge von Hauschka reicht da die Palette. Keine Frage: Studnitzky gebietet über das gesamte Alphabet.

Josef Engels, 06.05.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top