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Robin Ticciati (c) Marco Borggreve

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Tenor José Carreras (69) hat seine Abschiedstournee ab Oktober 2016 bekannt gegeben. Die Termine reichen mindestens bis 2018. „Ich gebe zu: Meine Gefühle sind gemischt“, sagte Carreras in Berlin. „Ich habe bis heute 46 Jahre professionell gesungen und dabei viel Glück gehabt in meinem beruflichen Leben.“ Er wolle sich nun mehr seinen fünf Enkelkindern widmen, ins Theater gehen und mit alten Schulfreunden „katalanische Kartenspiele“ spielen.
Simon Rattle hat Änderungen bei der Gastdirigenten-Politik des London Symphony Orchestra bekannt gegeben, dessen Chefdirigent er 2017 wird. Danach soll die Zusammenarbeit mit Michael Tilson Thomas verstetigt werden; er darf sich „Conductor Laureate“ nennen. Gianandrea Noseda wird als „Principal Guest Conductor“ verpflichtet. Auch mit Daniel Harding ist eine regelmäßigere Zusammenarbeit geplant. Von wem sich Rattle – der Nachfolger von Valery Gergiev wird – dagegen trennen will, steht noch aus.
Pianist Daniil Trifonov hat, nachdem er bei einem Foto-Shooting in Köln gestürzt war, ein Recital in der Londoner Wigmore Hall mit einer rechtsseitigen Hand-Bandage absolviert. Da er vierhändig mit seinem Lehrer Sergei Babayan auftrat (so wie geplant), fiel die Behinderung dem Publikum nicht einmal auf.
Das Orchestra Mozart, 2004 von Claudio Abbado gegründet und nach dessen Tod im Januar 2014 untergegangen, will sich wieder neu formieren. Eine Bankenstiftung in Bologna hatte sich aus der Co-Finanzierung des Orchesters zurückgezogen. Jetzt hofft man, durch Crowdfunding ab 2017 eine neue Basis zu finden. Bei der Bewerbung des Neustarts hofft man auf die Mitwirkung des Dirigenten Bernard Haitink. Auch das Danish National Chamber Orchestra unter Adam Fischer versucht, nachdem ihm die staatlichen Subventionen gestrichen worden waren, einen privaten Neustart.
Rückenschmerzen sind ein musikalisches Kernproblem der Gegenwart. Das betrifft besonders Dirigenten, und das insbesondere in Berlin. Nachdem schon Kirill Petrenko (44) in der Vergangenheit Termine wegen Wirbelsäulenproblemen absagen musste, hat jetzt auch Robin Ticciati (32) wegen akuter Kreuzschmerzen gleich drei Auftrittswochen in München, Rom und beim Deutschen Symphonie- Orchester Berlin gecancelt. Beide Dirigenten haben für Chefpositionen in Berlin unterschrieben: Petrenko bei den Berliner Philharmonikern, Ticciati beim DSO.
Pianist Lucas Debargue (25), der Publikumsfavorit beim letzten Moskauer Tschaikowski-Wettbewerb und geplanter Star bei der Sony, sieht aus wie ein Doppelgänger von Hollywood-Nerd Steve Buscemi („Fargo“). Nach einem Showcase in Berlin bekannte sich Debargue dazu, in jungen Jahren kaum Kontakte zu anderen Kindern gepflegt zu haben. „Ich hatte kaum Freunde, weil mich das nicht interessierte“, so Debargue. Stattdessen brachte er sich autodidaktisch das Klavierspiel bei. Und las. Besonders gerne die 91-teilige „Comédie humaine“ von Honoré de Balzac. „Welches die besten Romane dieses Zyklus sind, lässt sich nur schwer angeben“, meinte er. „Der Witz besteht darin, dass man alle Bände mehrmals gelesen haben muss. Und zwar um die unterirdischen Verbindungen zwischen den Romanen zu verstehen.“ Einmal Nerd, immer Nerd. Aber der Mann lohnt sich.
Georges Prêtre, mit 91 Jahren der vielleicht älteste noch aktive Weltklasse-Dirigent, ist nach zahlreichen Absagen wieder aufs Podium zurückgekehrt. An der Mailänder Scala erhielt er für ein Konzert mit 41 Minuten Musik sage und schreibe 17 Minuten Ovationen. Das Verhältnis ist rekordverdächtig.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2016



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