Startseite · Künstler · Gefragt

(c) Beatrice Waulin/Sony Classical

Xavier de Maistre

Mit den Fingern nach Süden

Mit „Serenata española“ startet der Harfenist zu seinem zweiten musikalischen Streifzug über die iberische Halbinsel.

Wenn es draußen kälter wird und die Tage immer kürzer, sehnt sich wohl so mancher wehmütig nach südlichen Gefilden und träumt vielleicht schon wieder vom nächsten Sommerurlaub. Zumindest akustisch Sonne tanken kann man nun mit dem neuen Album von Harfenist Xavier de Maistre, der sich nach seinem Erfolgsalbum „Aranjuez“ erneut Inspiration in Spanien geholt hat. „Es ist eine Musik, die mir sehr am Herzen liegt und die die Menschen sehr direkt anspricht.“ Den hörbaren Beweis dafür hat der Franzose bereits 2010 erbracht, als er erstmals einige zuvor vielfach im Konzert ausgetestete Werke spanischen Ursprungs auf einer CD bündelte. Eine Musik, die ihn nicht mehr losließ, und in deren Geheimnisse er noch tiefer eindringen wollte, ohne sich dabei nur auf sein eigenes Instrument zu beschränken. Schließlich eignet sich die von der Gitarre geprägte Musik der stolzen Nation doch besonders gut für eine Übertragung auf die Harfe. „Sie ist für mich ein guter Kompromiss zwischen der Gitarre und dem Klavier.“ Eben jenen Instrumenten, für die einige der diesmal zu hörenden Werke ursprünglich konzipiert waren. Den Vorteil der Harfe sieht de Maistre dabei neben dem breiten dynamischen Spektrum vor allem in der Unmittelbarkeit beim Musizieren. „Wir schlagen die Saiten nicht mit einem Hammer oder einem Plektrum an, sondern haben einen viel direkteren Kontakt.“ Ein Bonus, der besonders bei den folkloristisch gefärbten Kompositionen zum Tragen kommt.
Wenn de Maistre in glühenden Worten über die intensiven Aufnahmesitzungen spricht und dabei immer wieder unverhohlen ins Schwärmen gerät, dann glaubt man ihm aufs Wort, dass er mit „Serenata española“ sein bisheriges Lieblingsalbum verwirklicht hat. Auf jeden Fall eines, das nicht allein in der Diskografie des viel beschäftigten Franzosen einen besonderen Platz einnimmt – dürfte es doch die erste gemeinsame CD eines Harfenisten und einer Tänzerin sein. De Maistres Partnerin ist dabei die 1938 geborene Flamenco- Legende Lucero Tena an den Kastagnetten. „Wir wurden einander nach einem meiner Konzerte bei einem großen Essen vorgestellt, und ich war vom ersten Moment an fasziniert von ihrer Ausstrahlung. Wir haben uns lange unterhalten, und ich wusste sofort, dass ich unbedingt ein Projekt mit ihr machen wollte.“ Für de Maistre personifiziert Tena in jeder Faser ihres Körpers das authentische Spanien, mit all seinem Temperament, seiner Grandezza, seiner Melancholie und seiner Energie. „Man glaubt vielleicht im ersten Moment, die Kastagnetten würden nur den Rhythmus vorgeben und Akzente setzen, während die Harfe für die Harmonien zuständig ist. Aber wenn man ihr genau zuhört, ist es unglaublich, wie viele Farben sie aus diesen kleinen Holzstücken herausholt.“ Gemeinsam entwickelten die beiden so eine Art Best-of España aus drei Jahrhunderten, über dessen Zusammenstellung lange diskutiert wurde. „Lucero ist eine starke Persönlichkeit, die nichts machen würde, von dem sie nicht hundertprozentig überzeugt ist.“ Wer möchte also angesichts eines solchen Gütesiegels noch an der Authentizität dieses Albums zweifeln?

Erscheint Mitte Januar:

Isaac Albéniz, Manuel de Falla, Francisco Tárrega u.a.

Serenata española

Xavier de Maistre, Lucero Tena

Sony

Tobias Hell, RONDO Ausgabe 6 / 2017



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Klarinettist Andreas Ottensamer (27), der als Unterwäsche-Model begann, hält sein Instrument für […]
zum Artikel »

Gefragt

Jonas Kaufmann

Balzen, ohne zu ballern

Dem Heldentenor aller Klassen gelingt auf seinem Album das Unmögliche: Er küsst wirklich die […]
zum Artikel »




Top