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Sharon Kam

Jodeldidudödeldu

„Trübe Texte ohne Ende!“, ruft Sharon Kam. „Verfummelte Silben und unsinnige Geschichten, obwohl es im Belcanto hauptsächlich auf die Musik ankommt!“ Kann man da nicht gleich auf die Sprache verzichten?! Sharon Kam hat leicht spotten. Als Klarinettistin hat sie ohnehin in der Oper keine Wahl. Wenn sie solistisch tätig werden will, muss sie den Text rausschmeißen. Das kann sich lohnen. Ihre neue CD „Opera!“ ist tatsächlich so witzig, abwechslungsreich und originell gelungen wie auf diesem Gebiet lange nichts mehr. Liegt daran, dass Kam, verheiratet in Hannover mit dem Opern-Dirigenten Gregor Bühl, so geschickt gefahndet und zusammengespickt hat, was an Opernpilzchen in den feuchten Winkeln des Repertoires sprießt, dass dieses Album eigentlich gar nicht nach Arrangements klingt. Sondern wie genuines Klarinetten-Repertoire. „Das war meine Absicht“, jubelt Kam und erzählt, dass die Anforderungen an die Virtuosität ihres Instruments nun mal ganz andere seien. Es hat keinen Sinn, mit der Arie der Königin der Nacht prunken zu wollen (die für Soprane viel schwerer ist). Während die haarigen Sprünge in Puccinis „La Rondine“ die Klarinettistin dem Wahnsinn überlassen. Und das Publikum dem Lachen. Von Rossinis „La Cenerentola“ (Finale) und „Maometto II“ über Wolf-Ferraris „Vier Grobiane“ bis zu Verdis „Composizioni da camera“ reichen die Vokal-Preziosen, mit denen Kam dieser glänzende Klarinetten-Streich gelungen ist. Sie rödelt, jodelt und holleridudödelt von einem Extrem ins andere. Sehr unterhaltsam. Die 1971 geborene Solistin, die als Kind debütierte, gab sich selbst eine Frist bis 25. „Wenn ich’s dann nicht geschafft habe, geb’ ich die Klarinette auf.“ Mit diesem Rückhalt rollte sie den Markt von hinten auf. Und ist mit einer Riesenpalette von Farben und Angriffstechniken die schärfste Rivalin – und künstlerische Alternative – zu Sabine Meyer. „Ihr ist die Suche nach Wahrheit, glaube ich, wichtiger. Mir nicht“, so Kam. Ist auch viel witziger so.

Diverse

Opera!

Sharon Kam, Zohar Lerner, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn, Ruben Gazarian

Berlin Classics/edel

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2013



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