Startseite · Künstler · Gefragt

Valéry Gergiev

Held der Musik

Als Valéry Gergiev 1988 die Leitung des damals unter dem Namen Kirov-Oper laufenden Theaters übernahm, war das einstige Kraftwerk der russischen Musikkultur eine vom völligen Zerfall bedrohte Institution, die kurz vor dem Kollaps stand. Gergiev aber glaubte an die Zukunft der Oper, und mit einer gesunden Mischung aus klugem Management und purem Idealismus machte er aus ihr eines der glanzvollsten und erfolgreichsten Musiktheater der Welt. Dafür wird Gergiev in Russland wie ein Nationalheld verehrt. Aber Gergiev wäre nicht Gergiev, wenn er sich mit dem Erreichten zufriedengegeben hätte. Einen wie ihn musste es einfach wurmen, dass er nicht die volle Entscheidungsgewalt über das aufzunehmende Repertoire hatte. Die lag bis vor Kurzem noch bei einem großen Major-Label. Das hatte die Aktivitäten des Maestros durchaus engagiert begleitet, und aus der jahrelangen Zusammenarbeit waren so grandiose Aufnahmen wie Borodins »Fürst Igor« (1995) oder Mussorgskis »Boris Godunow« (1999) hervorgegangen. Aber ab einem bestimmten Zeitpunkt sei es ihm, so Gergiev, »sehr leicht gefallen, ein eigenes Label zu gründen. Endlich können wir selbst bestimmen, was wir aufnehmen wollen, wann wir aufnehmen wollen, wie wir es aufnehmen wollen und mit wem.«
Gergiev hat in dieser Hinsicht sehr klare Vorstellungen. Die russische Sinfonik, Ballett- und Opernliteratur soll den Repertoireschwerpunkt bilden. In diesem Bereich hat das Mariinsky zweifellos viel zu bieten, und Gergiev wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass da noch unglaubliche Schätze in den Archiven schlummern, die nur darauf warten, gehoben zu werden. Für die Aufführungen steht ihm eine hochkarätige Sängertruppe zur Verfügung sowie eines der traditionsreichsten Orchester Russlands. Mittlerweile sind auch die ersten Produktionen des Labels herausgekommen: Dmitri Schostakowitschs Oper »Die Nase« und seine Sinfonien 1 und 15. Das Resultat ist den bisherigen Referenzeinspielungen unter Roschdestwenskij mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen. Mit diesem Traumstart hat das Mariinsky-Label nun alle Chancen der Welt, sich auf dem hart umkämpften CD-Markt als Marke mit eigenem Profil zu etablieren.

Neu erschienen:

Schostakowitsch

Die Nase

Solisten, Chor & Orchester das Mariinsky Theaters, Valéry Gergiev

Mariinsky/Note 1

Robert Nemecek, RONDO Ausgabe 4 / 2009



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Sir Jetsetter

In den letzten Tagen hatte Simon Rattle gleich zwei Mal etwas zu feiern. Am 19. Januar wurde der […]
zum Artikel »

Gefragt

Vincent Peirani

Lohn der Tränen

Leidenschaft, Freundschaft und Balance der Farben bestimmen die Musik des gefeierten […]
zum Artikel »




Top