Müd’ räkelt der fette Drache sich auf dem Kurtisanenball von Violetta Valéry. Carmen, mit Verlaub, hat Blähungen. Und der Jägerchor aus dem "Freischütz" scheucht das Wild mit geballten Hornstößen auf. – Was sich die Hornisten der Berliner Philharmoniker auf Ihrer "Opera!"-CD an kunstvoll-ironischer Unflätigkeit leisten, würde man vielleicht keiner Feuerwehrkapelle durchgehen lassen. Acht gleichzeitig aufspielende Hörner klingen nun mal zuweilen wie eine Direktübertragung auf dem Bauchtrakt der Musikgeschichte.
Die philharmonische Bläserformation, auch heute noch eine der besten der Welt, geht ihrem Blaswerk in den Arrangements aus "La Traviata", "Tristan und Isolde" und "Carmen" mit so viel Geschmack und feindosierten Schwellkünsten nach, dass kaum je der Eindruck einer bloßen Betriebsfeier-Lustbarkeit aufkommt. Erst 1998 formierten sich die acht Hornisten der Berliner Philharmoniker, die seither in aller Welt (nicht nur am Rande von Orchestertourneen) aufgetreten sind.
Die Gruppe um den Altmeister (und Karajan-Hornisten) Norbert Hauptmann, aufgefrischt durch bekannte Solisten wie Stefan Dohr, Sarah Willis und den begnadeten Radek Baborak, wendet sich "an den wohlwollenden Kenner und Liebhaber flächendeckender Hornbeschallung" (so Klaus Wallendorf im Booklet). Besonders die Fantasie aus "Hänsel und Gretel" und die Rap-Stoßgesänge, mit denen man Bernsteins "West Side Story" durchseufzt, lassen die CD locker neben Bestsellern der "12 Cellisten" oder anderer der schätzungsweise 99 Kammermusikvereinigungen der Berliner Philharmoniker bestehen. Ein gelungenes "Waidmanns-Heil" für Opernfreunde.

Robert Fraunholzer, 07.12.2007



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