Anton Bruckner, Richard Wagner

7. Sinfonie E-Dur, „Siegfrieds Trauermarsch“

Gewandhausorchester Leipzig, Andris Nelsons

DG/Universal 4798494
(76 Min., 3/2018)

 

Anton Bruckner

7. Sinfonie E-Dur

Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Paul Hindemith

SWR Classic/Naxos SWR19417CD
(59 Min., 6/1958)

 

Groß. (Über-)Mächtig. Mythengeschwängert. Neben der 4. ist die 7. Sinfonie die bekannteste und meistgespielte Anton Bruckners. Weihrauch und Wagnerverehrung, ein noch größeres Klangkathedralengebirge. Das muss verstanden und bewältigt sein. Riesig ist schließlich auch die Konkurrenz. Andris Nelsons, vielbeschäftig nicht nur als Orchesterchef auf zwei Kontinenten und mit gleich drei zyklischen Sinfonieeinspielungen, liefert als dritte Folge seiner Gesamt-CD-Schau mit dem Leipziger Gewandhausorchester (samt dem hier passend für den heiliggesprochenen Richard beigegebenen, entspannt klangsatten Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“) eben nun jene ominöse Siebte. Er nimmt sie leicht, sprich: Nelsons duckt sich unter ihrem Gewicht durch. Er sorgt für schöne Balancen, für instrumentale Freiräume, für ein fast beschwingtes, nie hektisches Musizieren. Das atmet einen freundlich altmodischen Duktus, ohne zu viel Pathos oder Dunkelheit. Doch der Musik fehlt so ihr Zentrum. Da wird ein wenig mit geschlossenen Augen wie auf Autopilot gefahren, der Lette präsentiert sich risikolos, klangverliebt.
Von ganz anderem Charakter und Gewicht ist ein zeitgleich wiederveröffentlichtes, eminent historisches Dokument. Der erklärte Brucknerianer, sich hier erstaunlich systemkonform positionierende Paul Hindemith am Pult des schwerblütig tönenden Stuttgarter Radio-Sinfonieorchesters des SWR, 1958 mitgeschnitten. Das ist gar nicht erwartbar trocken, ja nüchtern, folgt eher einer tiefgründelnd Furtwänglerschen Sinnsuche, ist aber durchsichtiger, agogisch freier, erkennbarer strukturiert. Streng, freilich nicht asketisch, schroff, aber nicht grob. Vor allem aber: gekonnt eigenwillig.

Matthias Siehler, 12.05.2018




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