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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Alban Berg

Drei Orchesterstücke op. 6

Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

Deutsche Grammophon 457 760-2
(12/1972)



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Alban Berg

Drei Orchesterstücke op. 6

Wiener Philharmoniker, Claudio Abbado

DG 445 846-2
(4/1994)



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Alban Berg

Drei Orchesterstücke op. 6

Sächsische Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli

Teldec/Warner Classics 3984-22904-2
(1997)



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"Das muss klingen, wie wenn man Schönbergs Orchesterstücke und Mahlers Neunte Sinfonie zugleich spielt", äußerte Theodor W. Adorno, als ihm sein Kompositionslehrer Alban Berg erstmals die Partitur der Drei Orchesterstücke zeigte. Die Bemerkung trifft den Charakter der Musik voll und ganz, und Berg reagierte durchaus geschmeichelt. Die Anregung zu diesen Stücken erhielt Berg durch ein Gespräch mit Arnold Schönberg, in dem dieser sich unzufrieden über den aphoristische Charakter einiger frühen Werke seines Schülers – den Altenberg-Liedern und den Klarinettenstücken – äußerte und ihn ermahnte, "Charakterstücke" zu schreiben. Berg versprach, sich auf die große Form zu konzentrieren und plante eine Suite: "Vielleicht gelingt mir doch einmal etwa Heiteres".
Was er dann fertigstellte, war jedoch keine Suite und heiter schon gar nicht: die Drei Orchesterstücke op. 6, Schönberg zu dessen vierzigstem Geburtstag gewidmet. Der Titel verweist ausdrücklich auf Schönbergs op. 16, von dem Berg denn auch einige Grundprinzipien in seine Orchesterbehandlung übernahm, vor allem für die von Schönberg demonstrierte gleichberechtigte Behandlung der Klangfarbe als musikalischer Parameter.
Deutlicher noch als von Schönberg zeigt sich Berg in den Orchesterstücken von Mahler beeinflusst, insbesondere von dessen Sechster Sinfonie, deren Hammerschläge in Bergs "Marsch" widerhallen. Mahlers extreme Instrumentation, seine verfremdeten Anleihen aus dem Genre der volkstümlichen Musik, seine katastrophischen Zusammenbrüche – all das wird in Bergs Stücken mit den harmlosen Titeln "Präludium", "Reigen" und "Marsch" auf die Spitze getrieben. Auch wer Musik "prophetische" Fähigkeiten abspricht, wird nicht umhin können, in der Klang gewordenen Apokalypse des "Marschs" eine Vision der kommenden Weltkriegskatastrophe zu erblicken.
Dieser katastrophische Charakter ist es, der in der Einspielung mit Herbert von Karajan unvergleichlich zur Geltung kommt. Karajan gelingt es, einerseits die spätromantischen Wurzeln der Musik aufzuzeigen, andererseits ihre brachiale Gewalt ungeschönt herauszustellen, und dies bei Offenlegung der zahlreichen Haupt- und Nebenstimmen. Schlanker, tänzerischer, weniger auf apokalyptische Klangballungen hin ausgerichtet präsentiert sich Claudio Abbados Aufnahme, die besonders in den ersten beiden Sätzen sehr für sich einzunehmen vermag.
Eine ebenso packende wie extreme Deutung schließlich stammt von Giuseppe Sinopoli. In sehr breiten Tempi fächert er das motivische Geflecht mustergültig aus und offenbart eine größere Bandbreite der Klangfarben als alle seine Konkurrenten. Und diese Klangfarben schillern nicht, sie ätzen. Bösartiger, vernichtender als unter Sinopoli ist Bergs Marsch in den Untergang nie erklungen.

Thomas Schulz




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