Frédéric Chopin

Etüden op. 10 und op. 25

Wilhelm Backhaus

Pearl/Note 1 GEMM 9902
(1928) Komponiert: 1829-32 (op. 10), 1833-37 (op. 25)



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Frédéric Chopin

Etüden op. 10 und op. 25

Maurizio Pollini

Deutsche Grammophon 413 794-2
(1971) Komponiert: 1829-32 (op. 10), 1833-37 (op. 25)



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1831 stand Chopin am Beginn einer sehr einträglichen Laufbahn als Klavierlehrer höchster Pariser Gesellschaftskreise. Mit seinen Etüden wollte er seinen Schülern, die bloß die stumpfsinnige Fingerübungsliteratur von Cramer oder Czerny kannten, beibringen, dass die Technik immer nur die dienende Seite des Poetischen ist. Zugleich mit seiner Revolutionierung der Klaviertechnik betrat Chopin als Tondichter ganz neue Ausdrucksbezirke. Was hat ein aufwühlendes Werk wie die berühmte Revolutions-Etüde op.10/12 noch mit konventioneller Etüdenliteratur gemeinsam? Chopin hat der Gattung Etüde ein poetisches Gesicht gegeben und wirkte damit auf Debussy und noch bis Ligeti.
Meine Lieblingsaufnahme stammt von 1928, von einem Mann, gegen den 1905 im Anton-Rubinstein-Wettbewerb Béla Bartók "keine Chance" hatte, wie er enttäuscht schrieb: Wilhelm Backhaus. Sie lesen richtig. Der bedächtige Beethoven-Statthalter war in seinen jüngeren Jahren ein feuriger Übervirtuose. Das Publikum lag ihm zu Füßen, die Kritiker aber mochten ihn nicht - sie fanden ihn kalt. Das kann man heute kaum mehr verstehen, denn inmitten der CD-Welt der Neunziger hat diese legendäre Aufnahme den Charme absoluter Leichtigkeit und Spontaneität.
Die extrem schwere zweite Etüde in a-Moll - sie hat schon manche rechte Hand auf dem Gewissen - gerät wirklich oft fade. Backhaus aber wählt ein irrsinniges Tempo, löst die Aufgabe akrobatisch mühelos, dass die Funken stieben und die Komposition plötzlich gespenstisch wirkt wie Liszts "Irrlichter"-Etüde. Und eine wildere, aggressivere Revolutions-Etüde kenne ich auch nicht.
Die neuzeitliche Referenzfassung ist Maurizio Pollinis Aufnahme von 1971 - vielleicht die beste, die er je gemacht hat. Pollini spielt keinesfalls so locker-elegant wie Backhaus. Sein Ton ist metallischer, ist nicht frei von angespannter Härte. Das ist Absicht. Pollini geht einer anderen Traditionslinie nach. Chopins Lieblingskomponist war Bach (die Préludes künden davon deutlich), und Pollinis Spiel, transparent noch in den dichtesten Passagen, erhellt Figuren, die nicht selten an bewegte Präludien Bachs erinnern. Doch Pollini vermittelt seine Entdeckung noch nicht mit jener entpersönlichten, dozierenden Trockenheit seiner späteren Jahre. Diese Aufnahme bewahrt das ganze heute erloschene Feuer des jungen Virtuosen.

Matthias Kornemann




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