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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Anton Webern, Alban Berg, Arnold Schönberg

Fünf Sätze, Lyrische Suite, 2. Streichquartett

Arditti Quartet, Franziska Hirzel

Bonitz/harmonia mundi BMN 20142
(72 Min., 1/2014) CD & Blu-Ray Video



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Rebecca Saunders, Benedict Mason, John Zorn u.a.

Fletch, 2. Streichquartett, Pandora´s Box u.a.

Arditti Quartet, Sarah Maria Sun

Col legno/harmonia mundi COL 20421
(60 Min., 10/2013)



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Seit genau vierzig Jahren gilt der englische Streicher-Vierer um Steuermann Irvine Arditti als Uraufführungsweltmeister. Und wenn man nicht gerade wieder über flammneuen Partituren brütet oder die namhaftesten Komponisten unserer Zeit für die Ardittis schreiben, beschäftigt man sich regelmäßig mit den Klassikern der Neuen Musik. Allein Luigi Nonos epochales Quartett „Fragmente - Stille, An Diotima“ hat man inzwischen hundert Mal gespielt. „Ich kenne es besser als meinen Handrücken“, so Irvine Arditti einmal im Gespräch. 2014 feiert dieses Ausnahmestreichquartett seinen 40. Geburtstag. Und trotz der zahlreichen Umbesetzungen kann man bis heute auf ein spieltechnisch exorbitantes Niveau und eine analytische Auffassungsgabe stolz sein, die das Innerste selbst von komplexesten Stücken für den Zuhörer nachvollziehbar macht.
Anlässlich des runden Ensemblegeburtstags sind nun zwei Live-Aufnahmen erschienen. Anfang 2014 spielte man in Basel drei Klassiker der „Zweiten Wiener Schule“. Nur wenige Monate zuvor gastierte das Quartet beim WIEN MODERN-Festival mit vier Auftragskompositionen, von denen zwei uraufgeführt wurden.
Beide Programme sind quasi auch ein Spiegelbild der Arditti-Historie. Denn mit dem Schaffen der Schönberg-Schule hatte man sich zyklisch bereits kurz nach Gründung auseinandergesetzt. Die vier Werke jüngeren Datums lassen hingegen die stete Neugier für stilistisch gegensätzliche Klangwelten erkennen. An musikideologischen Grabenkämpfen, wie sie lange in der Neuen Musik ausgefochten wurden, waren die Ardittis nie interessiert. Was bis heute zählt, ist die Suche nach dem weiterhin Unbekannten, Herausfordernden und möglicherweise Visionären. Vier unterschiedliche Quartett-Perspektiven bot man also in Wien. Von der Engländerin Rebecca Saunders stellte man „Fletch“ (2012) vor, ein geheimnisvoll impulsives Gebilde, durch das zahllose Glissandi schießen. Das 1993 geschriebene 2. Streichquartett von Saunders´ Landsmann Benedict Mason ist ein sechssätziges Panoptikum, bei dem lateinamerikanische Rhythmen skurril auf links gedreht werden, die Musiker befremdlich murmeln und ihre Streichinstrumente mit Plektren archaisch und in Erinnerung an den amerikanischen Komponistensonderling Harry Partch bearbeiten. Stockende bis orchestrale Wucht besitzt hingegen Luke Bedfords „Wonderful Four-Headed Nightingale“. Und vom – ebenfalls US-amerikanischen – Jazz-Avantgardisten John Zorn brachte man „Pandora´s Box“ zur Uraufführung. Ein beklemmendes wie extrem aufgeladenes Stück für Sopran und Streichquartett, das von der Besetzung und dem expressionistischen Seelenfuror her an Schönbergs 2. Streichquartett erinnert, das die Ardittis in Basel neben Weberns „Fünf Streichquartettsätzen“ und Alban Bergs „Lyrischer Suite“ spielten. Und hier wie dort bewegte man sich übers auch steinige Terrain mit einer Sicherheit und Leichtigkeit, als ob es das Einfachste von der Welt wäre.

Guido Fischer, 08.11.2014




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