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Dvorák

Sinfonie Nr. 4

Václav Neumann, Sinfonieorchester Prag

Supraphon
(0000-00-00)

Eine alte Schallplatte, in den sechziger Jahren in Prag gekauft, in einfacher Halbkartonhülle mit einem Bild der hohen Tatra, ist für mich zum Inbegriff tschechischer Musik geworden. Im Reclam-Konzertführer von K. Renner (1954) kaum erwähnt und im Konzertlexikon von Kurt Pahlen in wenigen Zeilen als eher unbedeutend beschrieben, ist diese auch heute noch selten gespielte Sinfonie Dvoráks ein verkanntes Meisterwerk. Dvorák hatte sie im Januar bis März 1874 als Dreiunddreißigjähriger komponiert, doch auch selber nicht ganz anerkannt. Smetana hatte zwar im Frühjahr 1874 den dritten Satz uraufgeführt, dann verschwand sie in der Schublade; Dvorak dirigierte sie erst achtzehn Jahre später (1892) zum erstenmal in Prag.
Und doch, welch herrliche Melodienfülle verströmt dieses auch im Konzertsaal nur selten zu hörende Werk, das in nichts den bekannteren späteren Sinfonien nachsteht, sondern temperamentvoller und ursprünglicher ist und von jugendlichem Übermut zeugt, ganz besonders in der faszinierend intensiven und warm empfundenen Interpretation des unvergessenen Václav Neumann, eingefangen in den Rillen einer alten schwarzen Schallplatte, die jede sogenannte "CD-Qualität" in den Schatten stellt.
Zwar fehlen Angaben über Aufnahmedatum und Aufnahmeort, doch haben die Tonmeister vermutlich nichts anderes gemacht als die herrliche Akustik eines alten Prager Konzertsaales wirken zu lassen ... so natürlich klingt diese Aufnahme! Der überwältigende Melodienreichtum, den Dvorák hier verströmen lässt, weist auf vieles hin, das später vielleicht komplexer und formal genialer durchgearbeitet erscheinen wird, doch ist der ganze Dvorák, wie wir ihn lieben, hier in unvergleichlicher Überschwenglichkeit bereits vorhanden. Wenige seiner späteren Werke entfalten derart wie aus einem Guss den böhmisch-mährischen Melodienreichtum.
Aber eben, das Besondere dieser Aufnahme liegt in der Intensität der Interpretation und der hohen Qualität der kristallklaren Klangkultur eines hervorragenden Orchesters (vermutlich ist das hier "Sinfonieorchester Prag" genannte Orchester identisch mit der Tschechischen Philharmonie, deren Chefdirigent Václav Neumann ja während vielen Jahren war). So möchte man dieser Sinfonie wieder einmal im Konzertsaal begegnen ...
Wer kennt sie, diese einzigartige, heute vermutlich fünfzigjährige Aufnahme?

Veit Zust-Schumacher, 63 Jahre, Luzern


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