Alto Summit

Lee Konitz, Pony Pointdexter, Phil Woods, Leo Wright

MPS
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Der Versuch, die Entwicklung diverser Strömungen des Jazz als "Gruppenarbeiten" zu bezeichnen, mag oberflächlich, statisch und vor allem herzlich unromantisch daherkommen. Allerdings war dies angesichts der vorliegenden Aufnahme gleich mein zweiter Gedanke. Mein erster Gedanke war: "Alto Summit", das ist die Zwischenbilanz des Modern Jazz.
1968 von Joachim Ernst Berendt produziert, präsentieren sich hier mit Lee Konitz, Pony Pointdexter, Phil Woods und Leo Wright "four of the most important alto-saxmen of modern jazz" (P. Kuhrt, übersetzt nach J. E. Berendt). Und wahrlich, wahrlich, ein schlüssigeres (jazz-) musikalisches "Was bisher geschah ..." findet sich nicht an jeder Straßenecke.
Vital untermauert präsentieren sich die sieben Tracks des Albums von der Rhythmsection um Steve Kuhn (p) und den beiden Skandinaviern Palle Danielsson (b) und Jon Christensen (dr). Übergroß hingegen der Saxofonisten Fülle an Traditionen und Wurzeln. Da ist zunächst Leo Wright, boppend, und einstiger Weggefährte von Charles Mingus und Dizzy. Großen Blues hingegen spricht Pony Pointdexter, gefolgt von einem eindeutigen Phil Woods. Nummer 4 im Bunde ist schließlich Lee Konitz, unverkennbar in Artikulation und der unverwechselbaren, weil etwas skurrilen Melodieführung eines Hauptvertreters der Tristano-Schule. Doch, so unterschiedlich die Ausprägung der Altisten auch ist, über allen schwebt stets der Geist Charlie Parkers sowie, erfreulich modern, Johann Sebastian Bachs.
Außergewöhnlich macht dieses Album zudem die Vielfalt der Arrangements. Werden im "Ballad Medley" und diversen Soloteilen anderer Stücke alle vier Bläser nebeneinander gestellt, so ergeben sich auch Kollektivsoli, Call-and-Response- und Unisono-Satzpassagen. Inhaltlich reicht das Themenspektrum von Standards à la "Skylark" über Eigenkompositionen (Woods "The Perils of Poda"; Pointdexters "Good Booty") bis hin zu Arrangements, wie sie eigenwilliger kaum hätten sein können: in "Lee’s Tribute to Bach and Bird" steht der Choral "Ach Gott, vom Himmel sieh darein" unmittelbar neben einem bis dato unveröffentlichten Parker Solo über "Honeysuckle Rose" aus den Spätdreißigern, gespielt von allen vier Altisten ...
Als Meilenstein im herkömmlichen Sinn möchte ich das Album nicht werten, zweifellos aber als ganz besonderen Geheimtipp. Mitunter wirkt es allerdings übertrieben geheim, da es anscheinend bisher weder übermäßig viel Beachtung fand, noch leicht zu finden ist.

Frank Schwegler, 26 Jahre, Dortmund


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