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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

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am 04.12.2021



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Wunder der Provinz: Isaac Albéniz´ »Merlin«

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier

Warum nur werden die größten Opern-Entdeckungen heute fast grundsätzlich an Stadttheatern gemacht? Lust auf »Romeo und Julia auf dem Dorfe« von Frederick Delius? Kein Problem, nichts wie nach Karlsruhe. Schuberts »Die Verschworenen« gefällig? In Saint-Etienne. Oder »Merlin« als deutsche Erstaufführung: zurzeit in Gelsenkirchen. Die größeren Metropolen trauen sich derlei nicht. Dabei ist noch die sechste Vorstellung (von immerhin zehn) des Hauptwerks von Isaac Albéniz im 1000-Plätze-Haus des »Musiktheaters im Revier « rappelvoll. Unter den berühmten, blauen Riesen-Schinken von Yves Klein lassen sich im Foyer Hunderte von Zuschauern vorher die Mär von Excalibur und vom Schicksal des dreiteiligen »König Arthus«- Zyklus von Albéniz erläutern. Über der nach dem Vorbild von Wagners »Ring« konzipierten Trilogie starb der Komponist 1909 im Alter von nur 48 Jahren. Der vollendete erste Teil, »Merlin«, wurde 2003 erstmals vollständig inszeniert. In Deutschland musste man mehr als hundert Jahre lang darauf warten. Regisseur Roland Schwab, gern zwischen mutig und traditionell schwankend, tuscht für den englischen Gründungsmythos ein Bild von suggestiv optischem Sensationswert hin. Auf einem verödeten, nebligen Autobahnstück geben sich Merlin, Arthus und Morgane als Reigen verblichener und outrierter Geister ein Stelldichein. Gesten wie auf einem Nazarener-Bild. Hochdramatischer Aplomb wie bei Wagner. Majken Bjerno als fauchende Morgane und Björn Waag als titelgebender Zauberer gehen bis an die Grenzen. Leider ist der für Albéniz typischste Teil des Werkes, die lange Ballettmusik im 3. Akt, fast ganz gestrichen. Weil das Ballett nicht zur Verfügung stand. Dennoch, das Stadttheater wirft sich hier vorbildlich und in einem Ausmaß ins Zeug, von dem die besser ausgestatteten Metropolen nur träumen können. Allein in dieser Spielzeit lockt Gelsenkirchen noch mit Ausgrabungen von Edmund Nick (»Leben in dieser Zeit«), Stefan Wolpe (»Zeus und Elida«), Manfred Trojahn (»La grande magia«) und mit der Uraufführung von Sidney Corbetts »Ubu«. Wahnsinn! Für Opernfreunde, die das zusammenschmelzende Repertoire inzwischen mehr oder weniger kennen, heißt es immer häufiger: Der Laie löst ein Ticket nach Berlin; der Fachmann aber fährt über Land!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2011



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