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Bad Ischl, die Blume von Hawaii (c) Stephan Huger

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Rossinis letzte italienische Oper „Il viaggio a Reims“ ist fast eine szenische Kantate. Ihre Meisterschaft wäre der Welt wohl verborgen geblieben, hätte nicht Claudio Abbado vor 30 Jahren an der Wiener Staatsoper eine witzige All-Star-Aufführung davon durchgesetzt (plus zwei singuläre Gesamtaufnahmen). Seither wagen sich ab und an Opernhäuser daran, demnächst in Berlin, Hannover, Pavia und Pesaro. Weil es mit dem Witz so eine Sache ist, hat man an der Oper Graz einen echten Komödienprofi, nämlich Bernd Mottl, mit der Inszenierung betraut. Er hat in Graz schon dem „Opernball“ und in Berlin „Frau Luna“ Beine gemacht. In quietschbunter Optik erinnern die Reisevorbereitungen zur Krönung Karls X. tatsächlich an eine Operette. Genau das trifft den Schnellschuss-Charakter des Werkes gut, von dem der Komponist sich nicht träumen ließ, dass man sich später je seiner erinnern könnte (weshalb er die Musik in „Le comte Ory“ wiederverwandte). Wieder am 25. Mai sowie am 6. und 10. Juni. Als Reise nach Graz empfohlen.
Im Café Imperial, dem Boxenstopp klassischer Wien-Reisen, nehmen wir heute nur kurz Platz. So wie klassische Musiker selbst, die traditionell meist auf Reisen, also auf der Flucht sind. Das war ehemals nicht so schlimm wie heute. Wenn sie früher in New York gastiert habe, so die Sängerin Christa Ludwig (90), und die Zeitumstellung sechs Stunden betragen habe, dann sei sie ebenso viele Nächte vorher angereist. Heutigen Sängern würde solch ein Vorschlag nur noch ungläubiges Staunen entlocken. Sie selber haben das Nachsehen, Karrieren heute fallen meist drastisch kürzer aus als bei Christa Ludwig. Viele Künstler befinden sich stattdessen in der heavy rotation. Im Wiener Konzerthaus wie im Musikverein tummeln sich zurzeit vor allem die üblichen Gäste. Bei Chefdirigenten wird es neuerdings sogar immer üblicher, innerhalb Wiens von einer Institution zur nächsten überzugehen (z. B. Philippe Jordan und Andrés Orozco-Estrada). Und Neuigkeiten? An der Wiener Staatsoper steht ein eher verhaltensunauffälliger „Freischütz“ bevor (ab 11.6., immerhin mit Camilla Nylund). Die Volksoper Wien plant einen neuen „Gasparone“ (ab 2.6., Regie: Olivier Tambosi). Alles deutet auf Normalbetrieb – und weist Richtung Sommer-Festspiele. Was passiert dort? In Mörbisch setzt der neue Künstlerische Direktor, Peter Edelmann, auf eine sichere Bank: „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán, wofür er die legendäre, aber doch halb vergessene Melanie Holliday (als Božena) reaktiviert (die noch den „Blauen Bock“ von innen kannte). Glückauf!, sagen wir da. Die weltgrößten Operetten-Festspiele haben allabendlich 6000 Plätze zu füllen (ab 12.7.). Bei den Salzburger Festspielen stechen vor allem Henzes „Bassariden“ mit den Wiener Philharmonikern hervor (Leitung: Kent Nagano, ab 16.8.). Daneben „Pique Dame“ unter Leitung von Mariss Jansons (mit Hanna Schwarz als Gräfin, ab 5.8.); es soll angeblich die letzte Operninszenierung von Hans Neuenfels werden (wer’s glaubt!). Nicht ganz so spektakulär: eine neue „Salome“ mit Asmik Grigorian (ab 28.7., Regie: Romeo Castelucci). Unter ferner liefen: die neue „Zauberflöte“ (trotz Matthias Goerne als Sarastro, ab 27.7.). Ein Jahrgang, den man notfalls auch überspringen könnte, oder? – Die Lehár- Festspiele in Bad Ischl dagegen bringen Paul Abrahams seltene „Blume von Hawaii“ (ab 14.7.) sowie – zum 70. Todestag von Lehár – das allfällige „Land des Lächelns“. Diesem Anlass widmet auch die Sommerarena in Baden b. Wien eine „Lustige Witwe“ (ab 23.6.), gefolgt von Millöckers „Bettelstudent“ (mit Jochen Schmeckenbecher, ab 14.7.). Es sind Orte, in denen man vermutlich längere Zeit verbringen möchte als in Salzburg. Und die so sehr auf Entschleunigung setzen, dass man auf Überraschungen gar nicht sonderlich scharf ist. Ober, zahlen!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2018



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