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Licht aus? Landestheater und Bruckner Orchester Linz stehen vor einem Kahlschlag durch die Stadtpolitik (c) Peter Philipp

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#linzliebtseintheater

Als Hermann Schneider, seines Zeichens Intendant des Linzer Landestheaters, zu Beginn der laufenden Spielzeit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ ein Interview gab, konnte man herauslesen, dass es für die Zukunft des Hauses etwas ungemütlicher werden wird. Immerhin musste Schneider für seine dritte Saison jetzt Einsparungen von 2,4 Millionen Euro hinnehmen. „Wir sind nicht im Sturzflug, aber im Sinkflug und können es jetzt noch abfedern“, so Schneider über diese Kürzung der Mittel, die das Land Oberösterreich überweist. „Grundsätzlich müssen wir überlegen, wie viel wir in Zukunft selbst produzieren, wie viel Einmietungen können wir stemmen – für wie viel Geld gibt es wie viel Theater.“ Als Schneider sich diese Gedanken über den Betrieb seines Fünf-Sparten-Haus machte, ahnte er wohl nicht, dass es bald noch dicker kommen wird. Denn wenn es nach dem Willen des Linzer Bürgermeisters Klaus Luger geht, wird das Landestheater zum Sturzflug ansetzen. Luger hat nämlich angekündigt, den Theatervertrag mit dem Land aufzukündigen und damit ein riesiges Loch von 14 Millionen Euro in das Landestheaterbudget zu reißen. So viel überweist laut Vertrag die Stadt dem Theater und dem renommierten Bruckner Orchester Linz Jahr für Jahr. Dafür unterstützt das Land die „Linzer Veranstaltungs-GmbH“, die u.a. für das Brucknerhaus verantwortlich ist, mit sieben Millionen Euro. Sollte es nun zur Aufkündigung des Vertrages zum 31. Dezember 2019 kommen, stände aber nicht nur das breite Angebot auf dem Spiel, mit dem das Landestheater und das Bruckner Orchester seit vielen Jahren auch international für Aufsehen sorgen. Schon jetzt wird spekuliert, dass mit dem Ende des Theatervertrags das Land ebenfalls seine Zuschüsse von 1,2 Millionen Euro für das Linzer Ars Electronica Center (AEC) einstellen und damit diesem auch auf dem Gebiet der elektronischen Musik wichtige Impulse gebenden Projekt den Stecker ziehen würde.
Am 6. Dezember soll nun in einer Gemeinderatssitzung über die Aufkündigung des Theatervertrages durch die Stadt Linz abgestimmt werden. Und bis dahin wird der Protest, der sich mittlerweile gebildet hat, garantiert noch zunehmen. Für Markus Poschner, Chefdirigent des Bruckner Orchester Linz, wäre es eine Katastrophe, ein Skandal: „Die Stadt wendet sich von ihren erfolgreichsten Institutionen ab.“ Nachdem auch das Ensemble und die Belegschaft des Landestheaters in einem offenem Brief gegen die Kürzungen protestiert hat, wurde unter „#linzliebtseintheater“ (www.openpetition.eu/at/petition/online/linzliebtseintheater) eine Petition geschaltet, die bisher über 10.000 Unterschriften gesammelt hat. Und auch auf Facebook haben sich inzwischen prominente Stimmen zu Worte gemeldet, die sich mit dem Landestheater und dem Orchester solidarisieren. „Das Bruckner Orchester ist für das Kulturleben in Linz und in Österreich unverzichtbar!“, so Altmeister Friedrich Cerha. Und sein Komponistenkollege HK Gruber hat den Gemeinderäten Folgendes ins Stammbuch geschrieben: „Das Landestheater Linz ist Teil unserer Kultur in Österreich & was wäre Österreich ohne seine Kultur?“

Guido Fischer



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