home

N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



Startseite · Konzert · Da Capo

(c) Karl und Monika Forstner

Trockendusche

Berlin, Staatsoper Unter den Linden: Rameaus „Hippolyte et Aricie“

Der erste Rameau an der Berliner Staatsoper?! Es muss ewig her sein, dass sich ein Werk wie „Hippolyte et Aricie“ an das wichtigste Berliner Opernhaus verirrte. (Auf Lully wartet man bis heute vergebens). Liegt auch daran, dass der amtierende Barock-Mann von Berlin, René Jacobs, mit dem französischen Repertoire wenig anfangen kann. (Schlechter Tänzer, könnte man annehmen, und damit hat man es vermutlich getroffen.)
Um die Hürde zu nehmen, wurde mit Ólafur Elíasson als Bühnenbildner ordentlich überkompensiert. Die Spiegelscherben-Kleider, grünen Glühwürmchen und Laserstrahlen, in die der Kunst-Super-Star Rameaus Phädra-Variante taucht, könnten jedes beliebige Stück erhellen oder auch verdunkeln, je nachdem. Sind allerdings immerhin Schau-Effekte, die sich sehen lassen können. Dass ein Ausstatter die Hauptrolle spielt, mag diesem gut gefallen haben. Für das vollständig fehlende Konzept der Regisseurin und Choreografin Aletta Collins kann man ihn nicht verantwortlich machen. Mit Magdalena Kožená als Phèdre und Elsa Dreisig als Diane ist die Aufführung sehr gut, mit Reinoud Van Mechelen und Anna Prohaska in den Titelrollen sogar vorzüglich besetzt. (Nicht durchweg, denn z.B. Peter Rose als Pluton scheint sich in der Stück-Tür geirrt zu haben.) Wenn die Premiere dennoch mit Pauken und Trompeten durchfiel, so liegt dies – gemeinsam mit der Konzept-Schieflage –ausgerechnet daran, dass Simon Rattle, der erstmals das Freiburger Barockorchester dirigiert, sich hierbei … verwählt.
Die Freiburger, so superior dieses Ensemble ist, verfügen über einen zu stumpfen, farbarmen und pastellhaften Ton, um die Spritzduschen Rameaus hinreichend zu beglaubigen. Wo man vom tanzwütigen Zeremoniell dieses Komponisten ohnehin nicht überzeugt ist, führt diese Deutung zu nichts. Beleg des alten Weisheitssatzes: Beim ersten Mal, da tut’s noch weh. Und Beweis der Tatsache, dass auch prominenteste Lösungen fehlschlagen, wenn falsch besetzt wird.

Robert Fraunholzer, 09.03.2019, RONDO Ausgabe 1 / 2019



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Pasticcio

Nonstop

Meldungen und Meinungen der Musikwelt

Auf die Frage, welchen Komponisten er vielleicht noch nicht dirigiert und am Klavier gespielt hat, […]
zum Artikel

Gefragt

Andreas Ottensamer

„Man kann sehr viel Persönliches zeigen!“

Der Klarinettist hat unterschätzte Werke von Mozart-Zeitgenossen der Mannheimer Schule […]
zum Artikel


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Wohl kaum ein Künstler hat so viel für die Entwicklung und Erneuerung des argentinischen Tangos getan wie der argentinische Komponist und Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla. 2021 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert, aus diesem Anlass spielte der junge dänische Akkordeonist Bjarke Mogensen in jenem Jahr ein Album mit den wichtigsten Werken des Tango-Nuevo-Königs ein. Als musikalische Partner für dieses Projekt wählte er seinen Landsmann Mathias Heise, der zu den führenden […] mehr


Abo

Top