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(c) Herwig Prammer/Theater an der Wien

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Antonín Dvořáks „Rusalka“ ist ein Mode-Stück ... von gestern. Ganz früher gab es das gar nicht (weder auf CD noch auf der Bühne). Heute gehört es zu den wenigen Opern, die sich im zweiten Anlauf durchgesetzt haben. Weshalb Amélie Niermeyers Neuproduktion am Theater an der Wien den seltenen Fall einer Wiener Triplette darstellt. (= Rusalka, die dritte.) Die Nixen planschen in einem handtiefen Nichtschwimmer-Becken. Der Prinz (mit verklebten Höhen: Ladislav Elgr) macht sich nackig. Rusalka trabt abschließend erhobenen Hauptes von dannen. Ansonsten: Außer hellblau changierenden Kacheln nichts gewesen. Maria Bengtsson immerhin singt mit dramatisch gespanntem, fest verstrebtem Sopran. Gipfel der Aufführung: der balsamige, geradezu ‚gurnemanzöse’ Günther Groissböck als Wassermann. Das RSO Wien folgt Dirigent David Afkham halbherzig, wenig inspiriert und klanglich kreppsteif. Genügt das? Eigentlich nicht.
Im Café Imperial, wo schon Karl Kraus verkehrte, denken wir heute über öffentliche Hetzjagden nach. Ist das Wort zu scharf? Ja. Aber Karl Kraus, ein emphatischer Verfechter medialer Kampagnen, wohnte schließlich um die Ecke. Immerhin: Gemessen an den zahlreichen #Me- Too-Fällen, zuletzt Plácido Domingo und Vittorio Grigolo, ist die Klassik anscheinend verdorbener als ganz Hollywood. Mag so sein. Die Vorwürfe sind schlimm. Andererseits sind wir, da viele Anschuldigungen anonym erfolgen, so sehr in einem Klima der Diffamierung und Denunziation angelangt, dass sich die Vorfälle selber dagegen fast läppisch ausnehmen. Wir finden es aus diesem Grunde nicht falsch, dass die Wiener Staatsoper an ihrem Engagement von Plácido Domingo als „Macbeth“ festgehalten hat (25., 28.10., 1.11.). In den USA, dem Land der Freiheit, gilt er als persona non grata. Moralisch verurteilbar ist sein Verhalten gewiss. Justiziabel nicht. Oder noch nicht! Er mag den shakespeareschen Königsmörder ruhig geben. Warum? Weil er die Rolle super singt.
Ist das nun etwa schon die wichtigste Neuigkeit?! Beinahe. Das Theater an der Wien bietet eine neue „Clemenza di Tito“ (mit Jeremy Ovenden, ab 17.10.), die Volksoper „Das Gespenst von Canterville“ von Marius Felix Lange in österreichischer Erstaufführung (mit Morten Frank Larsen, ab 18.10.). An der Wiener Staatsoper gibt es den neuen „Midsummer Night’s Dream“ (17., 21.10.), die „Frau ohne Schatten“ unter Christian Thielemann wird wieder aufgenommen (18.10.). Im Musikverein, der Heimstatt des Wiener Mozart Orchesters (diverse Termine, Vorsicht angezeigt!), lassen sich diesmal die Wiener Philharmoniker gar nicht blicken. Philippe Jordan dirigiert die Wiener Symphoniker und führt außerdem sein Orchestre de l’Opéra de Paris aus (mit Nina Stemme, 24.10.). Diana Damrau lässt sich von Antonio Pappano am Klavier begleiten (23.10.). Mariss Jansons kommt mit seinem BR-Symphonieorchester (27./28.10.) und Manfred Honeck mit Pittsburgh (31.10./1.11.). Das interessantere Programm bietet demgegenüber grundsätzlich: das Wiener Konzerthaus. Hier gibt es Víkingur Ólafsson (22.10.) und Denis Matsuev solo (12.11.). Juan Diego Flórez singt einen Arienabend (14.11.). Zwei Antrittskonzerte beim RSO Wien dirigiert Marin Alsop (24., 31.10.). Joana Mallwitz gastiert bei den Wiener Symphonikern (4./5.11.), und Jos van Immerseel bringt seine Anima Eterna Brugge (6.11.). Der vorhin belobigte Günther Groissböck singt Schuberts „Winterreise“ (8.11.). Und Frank Strobel leitet live Eisensteins „Iwan der Schreckliche“ (21.11.). Die Jan Garbarek Group gibt es auch immer noch (29.10.). Ober, zahlen!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2019



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