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(c) KulturOp/Slavčo Spirovski

Simon Trpčeski

Vertrackte Rhythmen, zündende Melodien

Mit dem genreübergreifenden Projekt „Makedonissimo“ wird der Pianist zum musikalischen Botschafter seines Landes.

Das Akkordeon war meine erste Liebe“, erklärt Simon Trpčeski und schwärmt von einer Zeit, in der die Menschen „ein einfacheres und glücklicheres Leben“ führten: „Da ich in einer Kultur lebe, in der die Volksmusik unvermeidlicher Bestandteil des Lebens ist, waren die häufigen Zusammenkünfte von Familie und Freunden, bei denen ich einige Stunden lang ein großes Repertoire spielte und sang, ganz natürlich für mich.“ Da es an der Musikschule keinen Akkordeon-Unterricht gab und ihm das Klavier noch am ähnlichsten schien, wurde aus dem kleinen Jungen mit der „Quetschkommode“ ein international gefeierter klassischer Pianist, der vor allem mit russischer Klavierliteratur Preise einheimste. Seine Wurzeln vergaß er jedoch nie. Allenthalben, etwa bei Rimski-Korsakow und Prokofjew, denen er sich auf seiner letzten CD „Tales from Russia“ widmete, stellte er eine „unvermeidliche Verbindung“ zwischen Folklore und klassischer Musik fest. Dadurch schätzte er beide Welten immer mehr und in ihm reifte früh der Wunsch, auch das „enorme musikalische Erbe“ seiner Heimat um die Welt zu tragen. Die Solisten dazu kannte er schon aus seiner Jugendzeit, allesamt glänzende, inzwischen in Europa verstreut lebende Virtuosen: den Violinisten Aleksandar Krapovski, den Perkussionisten Vlatko Nushev, den Cellisten Alexander Somov, der im Gegensatz zu den Gefährten aus Bulgarien stammt, und Hidan Mamudov, der Klarinette, Saxofon und die Flöte Kaval spielt, die in der balkanischen und nahöstlichen Folklore verbreitet ist. Doch erst als Trpčeski auf den in London lebenden Komponisten Pande Shahov stieß, ließ sich „Makedonissimo“ verwirklichen. „Da er sehr kooperativ und ohne einen Hauch von ungesundem Ego ist, erbrachte unsere ständig positive Zusammenarbeit während des Kompositionsprozesses und seine Offenheit für unsere Ideen ein höchst raffiniertes musikalisches Ergebnis.“ Mit impressionistischem Farbensinn und jazznahem Groove entlockt der Bearbeiter der Lieder und Tänze dem Quintett stellenweise die Klangwirkungen eines weit größeren Ensembles. „Ich habe immer gewusst, wie groß die Verantwortung ist, wenn man plant, die Volksmusik ‚anzutasten‘. Die Grenze ist sehr dünn: man kann Schönheit daraus machen oder eine totale Katastrophe“, weiß der Pianist. „Ich gruppierte die 23 Musikstücke nach ihrer metrisch-rhythmischen Struktur in sechs Blöcke oder ‚Plaits‘, wie Pande sie nannte“ – was zum Werktitel wurde. So enthält das 5. Plait Tänze im 18/8- und im 22/8-Takt. „Unsere Rhythmen kommen von der mazedonischen Sprache. Pande schrieb meisterhafte multirhythmische Passagen innerhalb unserer eigenen unregelmäßigen Rhythmen, was erstaunlich ist.“ Das Projekt, das 2017 in Ludwigsburg uraufgeführt wurde, erklang inzwischen überall auf der Welt zwischen Polen und Neuseeland – allerdings nicht in Nordmazedonien. „In so einem kleinen Land brauchen die staatlichen und musikalischen Institutionen leider mehr Zeit, um einige der seltenen Qualitäten und fantastischen globalen Erfolge ihrer Landsleute zu verstehen.“ Das sollte allerdings nicht mehr lange dauern angehörs des durch Spielfreude und Einfallsreichtum mitreißenden Albums: Hier bewahren große Könner, die mit authentischer Tradition aufgewachsen sind, die Essenz und schaffen doch durch eine persönliche Sicht und klassisches Knowhow einen packenden neuen Sound.

Makedonissimo by Pande Shahov in collaboration with Simon Trpčeski

Simon Trpčeski & Friends

Linn/Note 1

Marcus A. Woelfle, RONDO Ausgabe 4 / 2020



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