home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image

Out Of Land

Emile Parisien, Vincent Peirani, Andreas Schaerer, Michael Wollny

ACT/Edel 1098322ACT
(48 Min., 4/2016)

Im April 2016 fand im Berner Jazzclub bee-flat ein regelrechtes Gipfeltreffen des europäischen Gegenwartsjazz statt: Mit dem französischen Saxofonisten Emile Parisien, seinem Landsmann Vincent Peirani am Akkordeon, dem Schweizer Sänger Andreas Schaerer und dem deutschen Pianisten Michael Wollny präsentierte sich die Crème der U-40-Generation des für seine Nachwuchs- und Entdeckungsarbeit berühmten Labels ACT.
Was die vier aus den Quellen ihres Heimatkontinents schöpfenden Europäer aus der ungewöhnlichen Instrumenten- und Stimmkombination trotz oder vielleicht gerade wegen der kurzen Vorbereitungszeit in dem Live-Set machen, ist faszinierend: Die Musik auf „Out Of Land“ ist ein atmender Organismus, der in den Solo- und Duettpassagen des Livemitschnitts still pulsiert, um sich dann in voller Quartettbesetzung in ein mächtiges, geradezu orchestrales Wesen zu verwandeln.
Dabei ist es eigentlich nicht selbstverständlich, dass diese leidenschaftliche Tour de Force, die Klassik, Kirchenmusik, Anklänge an französische Chansons sowie afrikanische oder brasilianische Grooves umfasst, derart aus einem Guss klingt: Schließlich unterstreicht die Aufnahme deutlich, wie individualistisch die vier Musiker sind. Der auch in freien Spielarten erprobte Parisien lässt sein quirlig-schneidendes Sopransaxofon orientalisierend wie ein Schlangenbeschwörer erklingen, während Peirani und Wollny die akkordischen und klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente immer wieder ausdehnen – da wird aus dem Akkordeon eine Orgel oder ein Ambient-Synthesizer, da verwandelt sich der Flügel in ein Stummfilmpiano mit zittrigen Gothic-Linien oder qua Saitendämpfung in ein Drumset.
Die schillerndste Erscheinung ist freilich der Sänger Andreas Schaerer, der von vielen guten Geistern besessen zu sein scheint: von im Diskant juchzenden Windelfen, fremdartig flötenden Urwaldvögeln sowie von Al Jarreau und Mark Murphy selig. Als menschliche Beatbox, zweite Bläserstimme und Chansonnier in verschiedenen Fantasiesprachen ist er sozusagen begleitender Frontmann des Ad-hoc-Quartetts. Ein Widerspruch in sich, der stellvertretend für den ungemeinen Reiz dieser an sich unmöglichen Formation steht.

Josef Engels, 22.07.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top