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Franҫois Couperin, Antoine Forqueray

La chemise blanche

Rainer Zipperling, Sofia Diniz, Pieter-Jan Belder

Aeolus/Note 1 AE10266
(72 Min., 9/2015) SACD

Franҫois Couperin und Marin Marais waren gemeinsam am Hofe des Sonnenkönigs beschäftigt, aber – so berichtet der Gambist Rainer Zipperling im Beiheft zu dieser CD – sie gehörten unterschiedlichen musikalischen Lagern an: Marais war anti-italienisch, Couperin hingegen pro-italienisch eingestellt. Ob sie dennoch zusammen gespielt haben, lässt sich mangels Dokumenten nicht nachweisen. Aber reizvoll wäre der Gedanken freilich, der Cembalist Couperin könnte als nicht Gambe-spielender Komponist für den Solopart seiner Suiten für Gambe und Continuo durch das Spiel des Kollegen, vielleicht sogar durch gemeinsame kammermusikalische Unternehmungen inspiriert worden sein.
Die vorliegenden Suiten allerdings werden sie nicht mehr zusammen musiziert haben: Sie erschienen erst 1728, im Todesjahr von Marais. Allerdings könnte die Gestalt der zweiten Suite – deren Viersätzigkeit sie als Kirchensonate identifiziert – auf den Tod des Kollegen Bezug nehmen, denn der dritte und vierte Satz heißen „Pompe funebre“ und „La chemise blanche“ („Totenhemd“).
Rainer Zipperling zelebriert die kraftvollen Kantilenen dieser wunderschönen Stücke mit der überragenden Kompetenz des souverän erfahrenen Könners: Die Viola da Gamba singt und klingt unter seinen Händen so ausdrucksvoll, dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lauschen, ja mitzufiebern, wohin einen die Suitensätze melodisch und harmonisch als nächstes tragen wollen. Dass er sich vollkommen frei entfalten kann, verdankt er natürlich auch einer erstklassigen Continuogruppe: Sofia Diniz verleiht, ebenfalls mit einer Gambe, der Bassstimme Kontur und warme Präsenz, Pieter-Jan Belder verbindet die melodischen Ebenen am Cembalo hochsensibel mit einer differenziert gestalteten Aussetzung – Kammermusik vom Allerfeinsten!

Michael Wersin, 16.09.2017



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