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Giovanni Croce

Motetti & Cantiones Sacrae

Voces Suaves, Francesco Saverio Pedrini, Concerto Scirocco, Giulia Genini

Arcana/Note 1 A439
(52 Min., 10/2015 & 3/2017)

Eine Hommage an einen berühmten Vorgänger von Claudio Monteverdi, gut platziert im Monteverdi-Jahr 2017 – denn obwohl Giovanni Croce (ca. 1557-1609) in manchen geistlichen Chorbüchern der Gegenwart noch präsent ist, hat er weder den Nachruhm Monteverdis, noch wenigstens denjenigen seines Zeitgenossen und Kollegen Giovanni Gabrieli erlangt. Woran das liegt, darüber schweigt nicht einmal das Beiheft dieser CD: Tatsächlich war Croces Musik bei aller Klangpracht und professioneller Eleganz satztechnisch doch deutlich weniger komplex als diejenige Gabrielis und weniger innovativ als diejenige Monteverdis. Damit ist Croce, so beliebt er als San-Marco-Kapellmeister bei den Zeitgenossen sicher war, keine Schlüsselfigur der Musikgeschichte, denn auf der Schwelle von der Renaissance- zur Barockzeit hat er das, was es seinerzeit gab, auf hohem Niveau gepflegt; Maßgebliches zur Entwicklung der neuen barocken Stilistik beigetragen haben dagegen Persönlichkeiten wie Monteverdi oder Cavalli.
Das ändert indes nichts am Wert der vorliegenden Veröffentlichung: Die beiden Ensembles „Voces Suaves“ und „Concerto Scirocco“ zelebrieren auf höchstem Niveau Motetten und geistliche Gesänge aus zwei im Druck erschienenen Sammlungen Giovanni Croces und stellen sie einigen Stücken Gabrielis und anderer Zeitgenossen gegenüber. Das teilweise colla parte, teilweise komplementär angelegte Miteinander von Stimmen und Instrumenten entfaltet durchweg einen hohen Reiz und verschafft dem Hörer einen lebendigen Eindruck davon, wie man um 1600 der Architektur des Kirchenraumes eine Klang-Architektur gegenübergestellt hat, deren Wirkung auf die damaligen Gottesdienstbesucher sicherlich derjenigen heutiger multimedialer Spektakel vergleichbar ist.

Michael Wersin, 28.10.2017



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