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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Carl Philipp Emanuel Bach

Klavierstücke

Alexei Lubimov

ECM/Universal 476 3652
(67 Min., 7/2008)

„Mich deucht, die Musik müsse vornehmlich das Herz rühren.“ Mit diesen Worten hat Carl Philipp Emanuel Bach einmal in seiner „Autobiographie“ das Ideal von einem klingenden Kunstwerk umschrieben. Und wahrlich: Diesem so enorm fantasiebegabten Bach-Sprössling sollten tatsächlich nie die Ideen ausgehen, um dieses Credo ständig mit Leben und Atem zu füllen. So spickte er am laufenden Band seine Sonaten, Rondos und Fantasien mit Ausdrucksextremen und Kühnheiten im Harmonischen und fegte damit alles konfektioniert Galante und Brillante regelrecht vom Tisch. Ständig kommt es zu unerwarteten Überraschungen, Wendungen und Zäsuren. Und nicht zuletzt die zahllosen Stimmungsumschwünge, die etwa innerhalb eines einzigen Sonatensatzes passieren, unterstreichen den Beginn eines Zeitalters, bei dem die Musik zum Spiegelbild des subjektiven Empfindens und Erlebens wird.
Über 300 Solo-Werke hat Bach für Cembalo, Clavichord, das Hammerklavier sowie wohl auch das Tangentenklavier komponiert, das zu seinen späten Jahren in Mode gekommen war. Und was für einen Reichtum an Farben man diesem vom Klang her zwischen Clavichord und eben Hammerflügel pendelnden Tasteninstrument entlocken kann, unterstreicht Alexei Lubimov bei seiner reizvollen Zusammenstellung Bachscher Werke. Auf der Kopie eines Tangentenflügels aus dem Jahr 1794, die aus der Regensburger Werkstatt Späth & Schmahl stammt, begeistert Lubimov mit zupackender Spielfreude – wobei er nicht nur in den zwei Sonaten, sondern selbst in den vielen kleinen ausgewählten Miniaturen herrliche Pointen zu setzen versteht und darüber hinaus für magische Momente sorgt. Wie etwa in den zwei Klavierstücken, die für die rechte bzw. für die linke Hand geschrieben worden sind und in denen das nahezu identische Notenbild mal als scheinbar zartes Glockenspiel und dann stramm deftig daherkommt. Allein diese beiden Stücklein belegen, dass Bach nie unter seinem Niveau komponieren konnte. Weshalb auch all die anderen Piècen, die Fantasien, Solfeggi und Rondos Empfindsames mit Intellektuellem und der Lust an der Unterhaltung im Übermaß verbindet. Und auf seinem Tangentenklavier lässt Lubimov dabei keine Sekunde verrinnen, in der man allem nicht mit großem Staunen und reinstem Vergnügen zuhört.

Guido Fischer, 04.11.2017



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