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Johann Sebastian Bach

Bach privat (Arien, Kantaten, Kammermusik)

Georg Nigl, Anna Lucia Richter, Petra Müllejans, Roel Dieltiens, Andreas Staier

Alpha/Note 1 ALP241
(85 Min., 11/2015 & 11/2016)

Bach privat: Was der Meister einfach als Mensch gedacht und getan hat, lässt sich mangels aussagekräftiger Quellen kaum ermitteln. Nicht einmal über die Frage, ob Bach überhaupt ein religiöser Mensch gewesen sei, kann sich die Forschung aus diesem Grund einigen. Manchmal ist es allerdings auch zum Verzweifeln, dass den Autoren bisweilen der Mut zu fehlen scheint, das Offensichtliche einfach als das zu nehmen, was es ist. An diesem Punkt sind dann die Musiker gefragt, in ihren Darbietungen und Programmgestaltungen die Musik für sich selbst und für ihren Schöpfer sprechen zu lassen. So hat nun Andreas Staier auf Basis der immerhin quellentechnisch belegbaren Tatsache, dass bei den Bachs auch daheim im Familienkreis musiziert wurde, ein Programm zusammengestellt, das Musik aus seiner Feder enthält, die bei solcher Gelegenheit gespielt und gesungen worden sein könnte. Ein gelungenes Projekt!
So hören wir auf der vorliegenden CD z. B. eines der Lieder aus dem Schemelli-Gesangbuch in vorbildlichen, will heißen sowohl im Cembalo- wie auch Gesangspart kreativ verzierten und sensibel-textnah gestalteten Versionen. Wir hören aber auch eine ganze geistliche Kantate („Der Friede sei mit dir“ BWV 158) bzw. Teile aus solchen (z. B. die Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ aus BWV 82, die Anna Magdalena Bach in ihr Notenbüchlein notiert hat), daneben Cellosuiten-Sätze, eine Violinsonate und zwei Soli für das Cembalo. All dies erklingt in angenehm ruhigen und, dem häuslich-kammermusikalischen Ambiente angemessen, intimen Interpretationen. Andreas Staier präsentiert sich durchgängig als überaus einfallsreicher Continuo-Spieler, der mit seinen Aussetzungen so gewandt am obligaten Oberstimmen-Geschehen teilnimmt, wie dies auch von Bach überliefert ist. Georg Nigl und Anna Lucia Richter gestalten die vokalen Partien sehr deklamationsorientiert und mit vibratoarmer Linienführung – Nigl färbt sein Material gelegentlich ein wenig zu hell. Petra Müllejans und Roel Dieltiens fügen sich sowohl als Begleiter wie auch als Solisten in den unaufgeregten Gesamtduktus der Darbietung, indem sie präzis und detailgenau, aber stets ganz unprätentiös agieren.

Michael Wersin, 06.01.2018



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