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Joseph Haydn, Joseph Martin Kraus

L´Homme de génie (Sinfonien Nr. 19, 80 & 81; Sinfonie VB 147; Haydn-Sinfonien Vol. 5)

Giovanni Antonini, Kammerorchester Basel

Alpha/Note 1 ALP 676
(78 Min., 7 & 10/2016)

Der aus dem unterfränkischen Miltenberg stammende Joseph Martin Kraus wurde wie Mozart im Jahr 1756 geboren. Und seinen berühmten Kollegen sollte Kraus nur um ein Jahr überleben. 1792 verstarb er in Stockholm, wo er als Kapellmeister am Hof des schwedischen Königs Gustav III. und als Direktor der Königlich Schwedischen Musikakademie gewirkt hatte. Wie sehr man Kraus in der europäischen Musikwelt bewunderte, verdeutlichen auch die diversen Verbeugungen von Joseph Haydn. Als „eines der größten Genies, die ich je gekannt habe“, hatte Haydn den Kollegen bezeichnet. Und als ein „Meisterstück“ bezeichnete er jene c-Moll-Sinfonie von Kraus, die Giovanni Antonini und das Kammerorchester Basel jetzt als Ergänzung für die 5. Folge ihrer 2032 abzuschließenden Einspielung aller Haydn-Sinfonien ausgewählt haben. So wie man mit ähnlichen Repertoire-Zückerchen eines Haydn-Zeitgenossen auf den bisherigen Alben stets richtig gelegen hat, entpuppt sich nun auch Kraus als mitreißender Repertoire-Knaller. Allein schon die langsame, von ihren trauertrunkenen Harmonien an Rameau erinnernde Einleitung ist ein kleines Wunderwerk, das nicht nur im Grunde für sich stehen könnte. Es überragt auch viele jener Introduktionen, die Haydn selbst seinen späten Sinfonien vorausschickte. Für das auf historischem Instrumentarium aufspielende Kammerorchester Basel sind diese ersten Minuten wie geschaffen. In den nachfolgenden schnellen Sätzen entfacht man sodann ein Sturm-und-Drang-Furioso, das einem Ritter Gluck sicherlich ebenfalls gut zu Gesicht gestanden hätte. Was Kraus angeht, ist der Album-Titel „L´Homme de génie“ mehr als gerechtfertigt. Aber selbstverständlich musste sich ein Haydn sogar in seinen frühen Sinfonien nicht vor dem Kollegen verstecken. Die wahrscheinlich um 1761 komponierte, mit springlebendigem Drive angegangene Sinfonie Nr. 19 ist dafür der schlagende Beweis. Erstaunlicherweise wirken im Vergleich zu dieser Sinfonie selbst die beiden reifen Sinfonien Nr. 80 & 81 etwas konfektioniert. Klar, Antonini und das Kammerorchester Basel lassen es auch hier keine Sekunde lang an Spannung fehlen. Geradezu kniend sollte man daher die herrlichen Bläserwonnen im Andante der Nr. 81 genießen. Dennoch zieht es einen hier innerlich immer wieder zu Kraus.

Guido Fischer, 06.01.2018



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