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Souvenir de Paris

Sandro Roy

Skip Records/Soulfood SKP9138
(73 Min., 12/2016, 3/2017)

Die Jazzgeschichte brachte nur wenige herausragende Mainstream-Geiger hervor: Stephane Grappelli, Joe Venuti, Stuff Smith sowie Svend Asmussen. Und nun auch Sandro Roy. Wie die Großen vergangener Zeiten verfügt der 23-jährige Augsburger über die Fähigkeit, Melodien mit prächtigen Farben zu gestalten, ohne auch nur einen Moment in die Nähe des Kitsches zu gelangen.
Sandro Roy stammt zwar aus einer Sinti-Familie, doch mit dem landläufigen Klischee vom gitarrenbetonten Gypsy-Jazz haben seine Interpretationen eigener und fremder Stücke nichts gemeinsam. Eher orientiert er sich am Mainstream der 1950er Jahre – aber auch nur bedingt, denn er bleibt nicht beim klassischen Swing, sondern integriert Elemente des Bebop und modalen Jazz ebenso selbstverständlich wie die Seligkeit französischer Akkordeonmelodien und dezent rockende Rhythmen.
Diese Breite korrespondiert mit der Auswahl der Stücke. Ein unbegleitetes Duett mit dem Geiger Roby Lakatos eröffnet Irving Berlins Klassiker „Let’s Face The Music and Dance“, bevor sie der Pianist Jermaine Landsberger, der Kontrabassist Joel Locher und der Schlagzeuger Guido May mit swingendem Mainstream einfangen. Mit der selbst komponierten Ballade „Souvenir de Paris“, „Post Phrasing“ von Roby Lakatos, „Wendy“ von Stephane Grappelli und dem Rodgers-Hart-Klassiker „With A Song In My Heart“ bleiben sie diesem Genre treu.
Landsberger widmete Roy die Brazil-Nummer „Sambroy“, während das von Michel Petrucciani komponierte „September Second“ dezent rockt und „Dolphin Dance“ von Herbie Hancock an die raumöffnende Rhythmik des Originals angelehnt ist. „Une histoire simple“ von Babik Reinhardt und Jermaine Landsbergers „Gypsylogy“ verdeutlichen gar mit funky Rhythmen die Distanz zum tradierten Gypsy-Jazz. Im „Waltz For Nicky“, ursprünglich von Richard Galliano geschrieben, bringt der Akkordeonist Marcel Loeffler französisches Musette-Flair ins Spiel; auch die Geigen-Duette „Paris violon“ und „Tendre rêve“ greifen diese Atmosphäre auf.
Bei all dem fasziniert der klare, präzise, unendlich nuancenreiche Bogenstrich von Sandro Roy. Er verbindet seine profunde klassische Ausbildung, die ihn auch zum Solisten in klassischen Violinkonzerten werden ließ, mit einem enormen Gefühl für Jazz und Swing – dieses „Souvenir de Paris“ enthält folglich dreizehn wunderbare Titel für Genießer.

Werner Stiefele, 03.02.2018



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