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Salvatore Sciarrino, Giuseppe Tartini, Luciano Berio, Niccolò Paganini

Capricci, „Teufelstriller“-Sonate, Sequenza VIII

Michael Barenboim

Accentus/Naxos ACC30431
(73 Min., 6/2017)

Vor genau einem Jahr legte Michael Barenboim eine Solo-Aufnahme vor, die ein rechter Paukenschlag war. Nicht nur, weil Barenboim gleich drei komplett gegensätzliche Violinwerke von Bach, Bartók und Boulez kombiniert hatte. Die durchweg intellektuellen wie spieltechnisch extrem anspruchsvollen Kompositionen entschlüsselte er mit einer Meisterschaft und Selbstverständlichkeit, wie man es auf diesem Niveau nur von Gidon Kremer bzw. Carolin Widmann kannte. Jetzt also legt Barenboim sein zweites Solo-Recital vor – und wieder geht es um das große Ganze, Komplexe und Schweißtreibende im Violinrepertoire. Aus drei Jahrhunderten und allesamt von Italienern stammen die Stücke, und im Vergleich zur Bach & Co.-Aufnahme steht nun mehr noch das schier Menschenmögliche auf vier Saiten im Vordergrund, etwa bei den sechs ausgewählten („Teufels-„)Capricci von Niccolò Paganini. Wie es sich für einen Geiger seiner Klasse gehört, hat man hier bei Barenboim stets den Eindruck, dass er trotz der abverlangten Höchstschwierigkeiten immer noch viel Luft nach oben hat. Die aber braucht er eben auch, denn während Tartinis berühmte, in einer Solo-Fassung aufgenommene „Teufelstriller“-Sonate fast wie ein Kinderspiel wirkt (wobei Barenboim das Kunststück gelingt, sakral Inniges mit salonhaft Extrovertiertem zu verbinden), verlangen die beiden Solo-Statements aus dem 20. Jahrhundert extrastarke Nerven. Die „Sei capricci" (1976) von Salvatore Sciarrino sind mit ihren Schleifgeräuschen, stählernen Glissandi und robusten Sprunggestalten das zeitgenössische Pendant zu den Miniaturen Paganinis. Und obwohl auch Luciano Berios „Sequenza VIII“ aus dem Jahr 1977 bis zu Bachs „Chaconne“ zurückblickt, besitzt sie doch mit ihren manischen Klagelauten ein ganz eigenes Innenleben. Auch diesem fühlt Barenboim schlichtweg phänomenal den Puls.

Guido Fischer, 10.02.2018



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