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Johannes Brahms

Cello-Sonaten opp. 38 & 99, Ungarische Tänze (Auswahl)

Jean-Guihen Queyras, Alexandre Tharaud

Erato/Warner 9029572393
(72 Min., 4/2017)

Obwohl jeder von ihnen solistisch schon lange alle Hände voll zu tun hat, hegen und pflegen Jean-Guihen Queyras und Alexandre Tharaud intensiv ihre Duo-Freundschaft. Cellosonaten von Bach bis Debussy und von Schubert bis Schostakowitsch haben die Franzosen bislang in Angriff genommen. Und nun sind die beiden Werke für Cello und Klavier von Johannes Brahms an der Reihe gewesen, die selbstverständlich ebenfalls absolute Repertoire-Klassiker sind. Im Vergleich aber zu den vielen anderen Werken, die für diese Besetzung geschrieben worden sind, zählen gerade die Brahms-Sonaten vom Ausdruck her zu den anspruchsvollsten. Denn rasch können diese nordisch-rhapsodisch aufgeladenen Stücke zur gefühlig-kitschigen Seelenmusik geraten, wenn der Cellist das Pathos nicht zügelt und der Pianist dazu nur Akkord-dicke und vom Pedal vermatschte Emotionssauce beisteuert. Hellwach sollte man daher an die ganze Sache rangehen, was aber nicht heißen muss, dass man sich teilnahmslos präsentiert.
Genau diesem Prinzip sind Cellist Queyras und Pianist Tharaud gefolgt. Und das Resultat ist erstaunlich bis begeisternd ausgefallen. In den Sonaten darf bei ihnen durchaus gelitten und geschmachtet werden. Aber bitteschön mit dem Gespür für jenes Quäntchen Distanz, das es braucht, um auch das formal Vielschichtige zu seinem Recht kommen zu lassen. Wie Queyras und Tharaud dabei allein den dritten Satz der e-Moll-Sonate mit seinem kontrapunktischen Netz in ein mitreißendes Menschendrama verwandeln, ohne dabei auf die sentimentale (Herz-)Karte zu setzen, ist beeindruckend. Im Adagio affetuoso der 2. Sonate kann man exemplarisch die bewegenden Qualitäten des Cello-Sängers Queyras genießen. Während Tharaud auch hier einen romantischen Ton anschlägt, dem es bei aller Klarheit nicht an Expressivität mangelt. Nach diesen beiden kammermusikalischen Langstrecken gönnen sich die beiden Musiker zum Schluss noch die vergnügliche Kurzstrecke. Dafür haben sie eigenhändig sechs „Ungarische Tänze“ von Brahms arrangiert und legen sie passgenau und mit reichlich Elan und Feingefühl aufs Parkett.

Guido Fischer, 17.02.2018



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