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Travelin‘

Echoes Of Swing

ACT Edel:Kultur 1091042ACT
(56 Min., 9/2017)

Darf Jazz Spaß machen? Natürlich! Schließlich entstammt er dem Unterhaltungsbetrieb und hat sich erst in den 1950ern aus diesem Bereich zur Club- und Konzertmusik gemausert. Fats Waller, Louis Armstrong, Fletcher Henderson und die anderen Ahnväter hätten in ihrer Jugend in den Tanzsälen den Beruf verfehlt, wenn sie Konzertmusik gespielt hätten. Insofern ist völlig klar: Ein Ensemble wie die „Echoes of Swing“ muss als historisierende Formation eine unterhaltsame Version des Jazz bieten, sonst wäre der Bandname schon eine gewaltige Irreführung.
Ja, sie unterhalten! Und wie! Diesmal mit einem Programm rings ums Reisen, was bei dem proppenvollen Terminkalender des Quartetts kein Wunder ist. Im ersten Titel „Orient Express“ imitiert der Pianist Bernd Lhotzky das Rattern der Räder von Eisenbahnwaggons auf den Schienen. Danach verwandelt das kontrabasslose Quartett den Italo-Schlager „Volare“ in eine heitere Jazznummer. Bei ihnen bleibt „Where Or When“ nicht die sehnsuchtsvolle Ballade, als die sie der Altsaxofonist Chris Hopkins einleitet – nach der Intro hat sich das Paar wohl gefunden und trifft sich bei einer Tanzparty mit fröhlichen Anklängen ans Stride-Piano.
Die „Echoes Of Swing“ kennen die Jazzgeschichte, aber sie sind keine stilreinen Retro-Imitatoren. So schaffen sie das Kunststück, in Duke Ellingtons „On A Turquoise Cloud“ tatsächlich zu viert (!) Dank des gehauchten Vibratos in Colin T. Dawsons Trompetenklang und Hopkins sehnsuchtsvolles Saxofon ohne Growltöne eine ellingtonische Atmosphäre zu schaffen. Die Growltöne gibt es dafür dort, wo sie eigentlich nicht hingehören, in „Southern Sunset“ aus dem Repertoire von Sidney Bechet: ein augenzwinkernd vorgenommener Stilbruch.
In fünfzehn Titeln reisen sie mit Witz und Geschick vom frühen Jazz der 1920er über die Revues und Tanzsäle der 1930er und 1940er Jahre bis in die Ära des Bebop und Mainstream der 1950er, wobei sie durchaus in einzelnen Nummern elegant und unmerklich Elemente aus all diesen Jahren hintereinander setzen und die geschickten Arrangements vergessen lassen, dass man ein Quartett und keine größere Combo hört. In der bunten Folge von fünfzehn Stücken bietet man, was früher kaum möglich gewesen wäre: eine historisch fundierte, vom ersten bis zum letzten Ton unterhaltsame Konzertmusik voll Witz und Humor. Das zu hören, macht einfach Spaß.

Werner Stiefele, 24.02.2018



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