Der amerikanische Bratschist David Aaron Carpenter wartet auf mit einem opulenten Programm, das neben einer Bearbeitung des Dvořák-Cellokonzerts und William Waltons famosem Viola-Konzert vor allem Musik des zeitgenössischen Komponisten Alexey Shor enthält, der in Kiew geboren wurde und mittlerweile in Amerika lebt. Ergänzt wird das reizvolle Programm durch Béla Bartóks unvollendetes Viola-Konzert (vervollständigt von Tibor Serly).
Es sei nicht verleugnet, dass die enthaltenen zeitgenössischen Werke wohl just jenen Teil des Doppelalbums ausmachen, der scheinbar auf eine möglichst breite Publikumswirkung hinzielt: Alexey Shor ist alles andere als ein Avantgardist, seine nicht nur durchweg tonale, sondern auch hemmungslos unkomplizierte Musik müsste für den Geschmack des Rezensenten bei weitem nicht so ausführlich auf diesen Tonträgern enthalten sein.
Dafür zeigt Carpenter in den übrigen genannten Stücken durchaus, was er (wirklich) kann: Mit seinem satten, fülligen und intensiven Viola-Ton erkundet er eindrucksvoll nicht nur die Ausdruckswelten des schwerblütigen Eingangssatzes von Waltons Viola-Konzert, sondern auch den rauen Charme des überaus hörenswerten Bartók-Concertos. Und die Transkription des Dvořák-Cellokonzerts für Viola, an der Carpenter offenbar selbst beteiligt ist, vermag ebenfalls voll und ganz zu überzeugen. Wohlwollend formuliert also ein Programm für ein weitgefasstes Publikum als Zielgruppe mit Carpenters stets begeisterndem Viola-Timbre als Kontinuum; möge er auf diese Weise ruhig neue Hörerscharen auch für Walton und gar Bartók begeistern.

Michael Wersin, 21.04.2018



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