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Manifesto

Jeff Herr Corporation

Igloo Records/in-akustik 05712332
(57 Min., 2/2017)

Nach drei Alben in der minimalistischen Triobesetzung Saxofon-Bass-Schlagzeug hat sich der Luxemburger Drummer Jeff Herr dazu entschieden, auch mal ein Harmonieinstrument in seinem puristischen Konzept zuzulassen. Wobei der Gitarrist Adam Rogers, der in der Vergangenheit unter anderem mit Michael Brecker, Cassandra Wilson, Norah Jones oder Chris Potter zusammenarbeitete, keinesfalls die Rolle eines Akkordarbeiters bei drei von acht Stücken auf „Manifesto“ übernimmt.
Vielmehr ergänzen sich die warmen Linien des US-Amerikaners auf der halbakustischen Gibson bestens mit Maxim Benders Saxofon-Melodien. Dieses Miteinander von Saiten und Holzgebläse hat mal einen sogartigen Effekt wie in dem von ungeraden Metren dominierten „On My Own“ oder führt zu einem nervös hüpfenden Engtanz wie in „Manifesto“.
Dass Herr, Bender und Bassist Laurent Payfert aber auch prima alleine klar kommen, haben sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen und zeigen es auch hier: In den Trio-Stücken auf „Manifesto“ legt der Bass unbeirrt mit Ostinati und gelegentlichen Doppelgriffen als grobe harmonische Skizze die Basis für die oftmals mit einem Augenzwinkern daherkommenden Kompositionen, das Saxofon singt oder stottert dazu wie ein Punk mit Niveau und das Schlagzeug wechselt den Bühnenhintergrund wie ein verschrobener Set-Designer. Da kann es gerne mal vorkommen, dass sich plötzlich eine Discokugel wie wild dreht und Stroboskoplichter zucken.
Bei dieser gut abgewogenen Mischung aus instrumentalen Trio- und Quartettstücken hätte es die Hinzunahme eines weiteren Gastes eigentlich nicht gebraucht: Die von Lata Gouveia gesprochene und geschriene Coverversion von Randy Newmans „Same Girl“ ist nämlich ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Josef Engels, 28.04.2018



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