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Béla Bartók

Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Christian Tetzlaff, Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester, Hannu Lintu

Ondine/Naxos ODE 13172
(61 Min., 10/2017)

So hört sich es also an, wenn ein 26-jähriger Komponist vom Kaliber eines Béla Bartók über beide Ohren verknallt ist. Zart, vielleicht noch etwas verunsichert, wie das Schicksal es in Liebesdingen mit einem meinen wird, setzt die Solo-Geige zu ihrer großen Kantilene an, die sich ungebremst in großes Schwärmen hineinsteigern wird. Fast zehn Minuten dauert dieses Bekenntnis – und man bekommt davon nicht genug. Denn Christian Tetzlaff ist jetzt mit seiner Geige quasi in die Rolle des verliebten Komponisten geschlüpft, der 1907 mit seinem 1. Violinkonzert die ungarische Violinistin Stefi Geyer umgarnen wollte. Und da der Ausdrucksmusiker Tetzlaff immer auch auf seinen Verstand hört, gibt er sich nicht lediglich der großen Emotion hin. So verlockend innig er seine Saiten glimmen lassen kann, so steckt in diesem Liebesidyll bereits zugleich eine Bitterkeit, die jeden Überschwang des Herzens im Grunde zunichte macht. Im schnellen Satz dann trumpft Tetzlaff kokett auf, während an seiner Seite Hannu Lintu und das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester nach den hymnischen Wagner-Farben im Eröffnungssatz nun bisweilen Richard Strauss-Funkeln beisteuert. Überhaupt wird man von dem musikantischen Schwung einfach mitgerissen, ohne dass einem das Furioso die Sinne vernebelt.
Im Vergleich zu der unlängst veröffentlichten Einspielung der beiden Violinkonzerte von Bartók mit Renaud Capuҫon und dem von Franҫois-Xavier Roth geleiteten London Symphony Orchestra sind die Musiker bei dieser deutsch-finnischen Live-Produktion aber nicht allein im 1. Violinkonzert etwas klarer zu Werke gegangen. Auch beim 2. Violinkonzert haben Tetzlaff & Co. weniger die magyarischen Effekte und Einflüsse interessiert, sondern die wilde Chromatik und die wie gehetzt daherkommende Motorik. Die sich darin spiegelnde Modernität Bartóks haben die Musiker für diese Aufnahme beeindruckend bravourös und mit einem elektrisierenden Temperament ausgespielt.

Guido Fischer, 12.05.2018



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