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Sergei Rachmaninow, Mili Balakirew

Sinfonie Nr. 1-3, Sinfonische Tänze, „Tamara“, „Russia“

London Symphony Orchestra, Valery Gergiev

LSO/Note 1 LSO0816
(228 Min., 9/2008 - 2/2015) 3 SACDs & 1 Audio-Bluray CDs

Bereits vor knapp 40 Jahren verblüffte das London Symphony Orchestra mit seiner Gesamteinspielung der drei Sinfonien Sergei Rachmaninows. Unter der Leitung von André Previn legte man nämlich bei den als wenig gehaltvoll geschmähten Werken einen imponierenden Reichtum an Farben und Stimmungen frei, wie man ihn bis dahin, aber auch danach allzu selten geboten bekommen hat. Das englische Hauptstadtorchester scheint aber tatsächlich ein vorbildlich entwickeltes Rachmaninow-Gen zu besitzen. Denn auch in der aktuellen Gesamteinspielung der oftmals mit süffiger Klangsauce und dick aufgetragenem Pathos verunglimpften Sinfonien hat alles Kontur, Form und genau diese Portion russische Seele, ohne die eine Einspielung von Valery Gergiev undenkbar wäre. Die Aufnahmen sind allesamt Konzertmitschnitte aus dem Londoner Barbican Centre und decken nahezu den kompletten Zeitraum ab, in dem Gergiev dem London Symphony Orchestra als Chefdirigent vorstand. Selbst wenn es im Laufe der Jahre immer wieder zu Spannungen und Reibungen zwischen dem Orchester und dem Pult-Jetsetter Gergiev gekommen sein mag – zu hören ist davon nichts. Im Gegenteil. Einfach großartig, mitreißend und fesselnd ist es, wie selbst die im Finale so problematische Erste mit einer Mischung aus Detailverliebtheit und mondäner Tschaikowski-Geste ehrengerettet wird. Und auch in den beiden Geschwisterwerken verbinden sich das Federnde (Streicher), satt Strahlende (Blech) und hymnische Melos schon mal zu einer prächtig hollywoodesken Kintopp-Schwelgerei fernab ordinären Kitsches. Ebenfalls unbedingt hörenswert sind die Zugaben ausgefallen – mit Rachmaninows „Sinfonischen Tänzen“ sowie Mili Balakirews sinfonischer Dichtung „Tamara“ und seiner Ouvertüre „Russia“.

Guido Fischer, 16.06.2018



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