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Heinrich Schütz, Andreas Düben, Matthias Weckmann u.a.

„Verleih uns Frieden“ (Musik zum Dreißigjährigen Krieg 1618-1648)

Johann Rosenmüller Ensemble, Arno Paduch

Christophorus/Note 1 CHR77424
(76 Min., 8/2017)

Am 23. Mai 2018 jährte sich zum 400. Mal der „Prager Fenstersturz“, der mit seiner den Religionsstreit eskalierenden Wirkung als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges betrachtet wird. Passend zu diesem Gedenktag hat der Zinkenist und Ensembleleiter Arno Paduch ein hochinteressantes Programm mit Musik zusammengestellt, die auf unterschiedliche Weise mit diesem Krieg bzw. mit einigen der offiziellen politischen Anlässe dieser Zeit zu tun hat. Paduch selbst ordnet diese von ihm ausgewählte und für die vokal-instrumentale Ausführung eingerichtete Musik in seinem ausführlichen, sehr informativen Einführungstext zeitgeschichtlich ein.
Der Wert dieser intelligenten Kompilation kann kaum hoch genug eingeschätzt werden; indes ist die musikalische Ausführung nicht immer als glücklich zu bezeichnen. Obwohl die Ensemble-Liste die Namen vieler bekannter, erfahrener Künstler enthält, kommt es immer wieder zu kleinen Ungeschicklichkeiten, die das Bild trüben. Intonationsunreinheiten sind vor allem im vokalen Bereich immer wieder zu verorten, sie schmälern z. B. die Wirkung eines so hörenswerten Stückes wie Johann Sixt von Lerchenfels‘ „Te-Deum“-Vertonung. Es ist, als hätten sich die Sänger nicht gut genug hören können oder als hätten sie nicht in befriedigender Weise zueinander gefunden. Wenn Instrumente hinzukommen – u. a. gleich im ersten Stück des Programms, der Motette „En novus elysiis“ von Heinrich Schütz, bleibt der Gesamtklang passagenweise merkwürdig verwaschen, anstatt auf jene beglückende Weise intonatorisch und klanglich „einzurasten“, so wie der Hörer dies von zahlreichen anderen Produktionen frühbarocker Musik kennt. Schade, dass dieses ambitionierte Projekt bei seiner Verwirklichung offenbar nicht unter einem ganz idealen Stern stand.

Michael Wersin, 23.06.2018



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