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Far Horizons

Nicolas Moreaux

Jazz & People/PIAS JPCD818005
(57 Min., 7/2016)

Der französische Bassist Nicolas Moreaux ist nicht nur ein verlässlich-sensibler Tieftöner an der Seite von internationaler Improvisationsprominenz wie Chris Cheek, Jorge Rossy oder Tigran Hamasyan, sondern auch ein Mann mit weitem kompositorischen Horizont. Ähnlich wie Henri Texier und dessen Strada Sextet oder Ben Allison und dessen Septett Medicine Wheel zeigt Moreaux auf „Far Horizons“, wie man eine größere Formation mit einem geerdeten Bass zum Fliegen bringt.
Bei seinen Stücken setzt Moreaux oft auf harmonische und melodische Kreisbewegungen, die in immer enger werdenden Spiralen gen Hymnen-Himmel streben. Man nehme etwa die verschwenderisch-rauschhafte Coda von „Bird Symbolic“, wo alles singt und jubiliert, was Saiten, Felle oder ein Rohrblatt hat. Man darf sich auch durchaus an Brian Blades Fellowship oder die Pat Metheny Group erinnert fühlen, wenn der französische Bassist seinen Kompositionen eine gewisse Sehnsucht nach den Weiten Nordamerikas einschreibt, schön zu hören etwa im lichten „The Bard“ oder im Titelstück „Far Horizons“, das sich trotz akustischer Gitarre und Lagerfeuer-Touch verschlagen gegen platte Balladenklischees wehrt.
Was das Sextett von Moreaux so besonders macht, ist nicht nur die eigentümliche Besetzung (gleich zwei Schlagzeuger, Karl Jannuska und Antoine Paganotti, treffen auf zwei Saxofonisten, Olivier Bogé und Christophe Panzani, sowie auf einen Teufelsgitarristen, Pierre Perchaud), sondern auch der daraus resultierende Gruppenklang. Ungeachtet der doppelten Drum-Besetzung klingt die Musik nämlich keinesfalls überrhythmisiert. Im Gegenteil: Selbst Stücke wie „Sister Soul“ oder „Lords Of Goodness“, in denen sich die beiden Schlagwerker austoben dürfen, wirken jederzeit klar und verraten nie die Demut vor der Melodie. Deshalb Respekt vor dem Bassisten, Bandleader und Komponisten Moreaux: „Far Horizons“ ist ein horizonterweiterndes Vergnügen.

Josef Engels, 11.08.2018



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