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Peter Ruzicka

Clouds 2, „… possible-à-chaque-instant“ (Streichquartett Nr. 7)

Minguet Quartett, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Peter Ruzicka

Neos/harmonia mundi NEOS11808
(61 Min., 10 & 12/2017)

Peter Ruzicka ist ein Multitasker, wie er im Buche steht. Seit einer halben Ewigkeit dirigiert und lehrt er. Er hat als Intendant Top-Jobs in Hamburg und Salzburg bekleidet und ist aktuell Künstlerischer Leiter der Münchner Biennale für Zeitgenössisches Musiktheater. Entspannung von diesem Arbeitspensum mag Ruzicka in seiner eigentlichen Profession, im Komponieren, finden. Und wenngleich er längst mit einer handwerklichen Meisterschaft seine Stücke schreibt wie etwa ein Wolfgang Rihm, ist das Floskelhafte (wie eben oftmals bei Rihm) nicht seine Sache. Für seine beiden jetzt aufgenommenen Werke für Streichquartett konnte sich Ruzicka im Grunde kein besseres Ensemble aussuchen als das Minguet Quartett. Nicht nur, weil die Musiker mit seiner Klangsprache intensiv vertraut sind. Die Herausforderungen, die gerade in dem 2016 entstandenen 7. Streichquartett auf die Musiker warten, nimmt man mit einer erstaunlichen Souveränität an. Fast eine dreiviertel Stunde dauert das Quartett, für das sich Ruzicka als Referenzpunkt Beethovens großes Streichquartett op. 131 ausgewählt hat. Doch statt in postmoderne Nachplauderei des musikalischen Vorbilds zu verfallen, hat sich Ruzicka von Beethovens Prozess des Komponierens inspirieren lassen, wie er sich in dessen Opus 131 offenbart. Es sind die immer wieder aufblitzenden Zäsuren innerhalb des Werks, die eine Entscheidung für den weiteren Fortgang erfordern. Das „In jedem Augenblick-Mögliche“ (so die Übersetzung des von Paul Valéry stammenden Titels „… possible-à-chaque-instant“ des 7. Streichquartetts) spiegelt sich denn auch in den abrupten Umschwüngen wider, die von enormer Schärfe bis zur geheimnisvollen Poesie, von heftigen Klangkompressionen bis zum Herantasten an die Stille reichen. Musik, die zum Hin- und Hineinhören zwingt. Zuvor präsentiert das Minguet Quartett zusammen mit dem vom Komponisten geleiteten Deutschen Symphonie-Orchester Berlin ebenfalls als Weltersteinspielung „Clouds 2“ aus dem Jahr 2013. Auch hier dreht sich alles um die mögliche Entstehung von Musik, deren Grundsubstanz zunächst eine glimmende Klangwolke ist, aus der sich im Laufe des Stücks stelenartige Strukturen herausbilden und sich fast wie Geister bewegen. Und auch hier gilt: beeindruckend.

Guido Fischer, 15.09.2018



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