Das Kapitel um den legendären Kastraten Farinelli ist immer noch nicht zu Ende geschrieben. Trotz der unzähligen Recitals, mit denen im Rahmen des Countertenor-Hypes so ziemlich alle erdenklichen Stationen des Star-Sängers beleuchtet wurden. Und natürlich tauchte dabei immer wieder auch der Name des nicht minder legendären Pietro Metastasio auf, der zahlreiche Libretti zu den von Farinelli gesungenen Opern geschrieben hat. Nun haben sich Valer Sabadus und Concerto Köln aber noch einmal etwas näher der Beziehung von Farinelli und Metastasio gewidmet. Heraus gekommen ist ein musikalisch reizvolles bis packendes Porträt einer Männerfreundschaft, die nahezu das gesamte Leben dieser beiden Lichtgestalten der italienischen Oper des 18. Jahrhunderts gehalten hat. „Caro Gemello“ (Lieber Zwilling) lautet dementsprechend der Titel des Albums. So nämlich sprachen sie sich in ihrem umfangreichen Briefwechsel immer an.
Ausgewählt haben die Musiker nun Arien ab dem Jahr 1720, in dem in Neapel der Grundstein der Künstlerfreundschaft mit „Angelica e Medoro“ aus der Feder von Farinellis Lehrer Nicola Porpora gelegt wurde. Von Neapel folgen wir sodann den Spuren der Zwillinge bis nach London und vor allem Wien, wo Farinelli nicht nur in Geminiano Giacomellis Oper „Adriano in Siria“ brillierte, sondern auch in dem Oratorium „La morte d´Abel“ von Antonio Caldara beeindruckte. Bis zur Canzonetta „La partenza“, die aus der Feder von Carlo Broschi alias Farinelli selbst stammt und von weiteren Barockarien-Trouvaillen von Nicola Conforto und Johann Adolph Hasse eingerahmt wird, ist das Repertoire ganz nach dem Geschmack von Countertenor Valer Sabadus. Wobei er im Gegensatz etwa zu Kollege Franco Fagioli mit seinem berückenden, dunkler justierten Timbre einmal mehr beweisen kann, dass er weniger ein Mann für die pure Fulminanz ist, sondern ihm eher das Aufgewühlte und Empfindsame in allen seinen Facetten liegt. Diese Gangart geht Concerto Köln ideal mit und rundet damit die Hommage an ein Zwillingspaar ab, wie man es bislang so doch noch nicht kennengelernt hat.

Guido Fischer, 20.10.2018



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