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Steve Reich

Drumming

Kuniko

Linn/Note 1 CKD582
(70 Min., 2017/2018)

Natürlich hatte es bereits vor Steve Reich amerikanische Komponistenkollegen wie Terry Riley und Philip Glass gegeben, die mit der kinetischen Kraft von kleinen Melodie- und Rhythmus-Zellen experimentiert hatten. Doch Reich sollte seine Entdeckung der „Phasenverschiebung“, bei der ein ständig wiederholtes Melodiemodell sich allmählich gegeneinander verschiebt, in ungemein raffinierten Werken verarbeiten. Zu den rein akustischen Manifesten dieser „Phasenverschiebung“ und überhaupt der Minimal Music gehört „Drumming“, das Reich nach einem Aufenthalt in Ghana 1971 beendete. Diese Reise hatte ihn in seiner „intuitiven Erkenntnis“ bekräftigt, „dass man mit akustischen Instrumenten und Stimmen Musik von größerem Klangreichtum hervorbringen kann als mit elektronischen Instrumenten, und sie bestätigte zugleich meine natürliche Vorliebe fürs Schlagzeug.“
Über eine Spielzeit von bis zu 90 Minuten lang widmet sich normalerweise ein Ensemble aus zwölf Percussionisten den vier großen Abschnitten von „Drumming“. Zudem imitieren immer wieder menschliche Stimmen das Schlagzeug. Doch jetzt hat auch mit Zustimmung des Komponisten die japanische Schlagzeugerin Kuniko eine Solo-Version eingerichtet und per Overdub-Verfahren eingespielt. Und dabei ist es der Neue Musik- und auch ausgewiesenen Steve Reich-Spezialistin Kuniko nicht allein gelungen, die mikroskopische Komplexität der einzelnen, sich auch zwischen Welt- und Maschinenmusik bewegenden Stimmen mit der Präzision eines Uhrmachers im Aufnahmestudio zu verzahnen. Zugleich hat sie einen magischen Flow angeschoben, der sich im finalen 4. Abschnitt mit Marimba, Glockenspiel und Bongo in ein spektakuläres Schlagfeuerwerk hineinsteigert. Toll.

Guido Fischer, 20.10.2018



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