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Gioacchino Rossini

Péchés de vieillesse (Sämtliche Klavierwerke)

Stefan Irmer

MDG/Naxos MDG 618 2098
(569 Min., 1997 - 2007) 8 CDs

Rossini war selbst schuld. Warum musste er auf den wegwerfenden Obertitel „Sünden des Alters“ („Péchés de vieillesse“) verfallen?! Nach „Guillaume Tell“ (1829) hatte er seine Komponistenkarriere offiziell beendet, um sich dem Kochen zuzuwenden. Die Rückfälle, meist für Klavier solo, erfolgten ab 1857 und symbolisieren – nach (gesundheitlichen) Krisen – einen neuen Lebensabschnitt. Ernst genommen wurden sie nie. Auf der ersten Gesamtaufnahme, die hier ihren Abschluss findet, macht die Ausbeute immerhin acht CDs aus.
Die Titel-Tiefstapelei hat Sinn. Mit den Alterssünden (er)fand Rossini sich eine launige, aphoristische Form der Bagatelle. Programmmusik in Pillendöschen. Da gibt es eine parodistische „Étude asthmatique“ und ein lachhaftes „Prélude prétencieux“. Die „Petite polka chinoise“ verklappt die asiatische Musik in einen Fingerhut. Der 24-teilige Zyklus, betitelt „Quelques riens pour album“: ein Cocktail von Nichtigkeiten. Gemessen an seinen auf Geschlossenheit und großen Vorhang berechneten Opernspektakeln realisierte der Privatier ein Gegenmodell. Diese Alterssünden sind kleine Backpfeifen, die sich ein alter Mann verabreicht, um sich nicht allzu ernst zu nehmen.
Stefan Irmers überragend verdienstvolle Collection gibt sich unakademisch. Und maßvoll humoristisch. Mit besonnenem, pointiertem Ton denkt er das editorische Verdienst hörbar mit. Dies ist vielleicht noch nicht der Ironie letzter Schluss. Gemessen an episodischen Vorgängern aber (Marangoni, Galletto, Giacometti) hört man erstmals Rossinis pianistische Enzyklopädie der Komik.

Robert Fraunholzer, 27.10.2018



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