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The Space

Kenny Werner

Pirouet/NRW Vertrieb PIT 3106
(54 Min., 5/2016)

The Space, das sind die Räume zwischen den Tönen. Der Pianist Kenny Werner integriert eine Menge solcher Leerstellen ins fünfzehnminütige Titelstück seiner Solodisc. Zunächst stehen einzelne Töne isoliert, in einem zweiten Satz sind sie zu kleinen Bewegungen gruppiert und im dritten wehen Akkorde und Bewegungen etwas intensiver.
Nach diesem langsamen Einstieg reagiert Kenny Werner ähnlich wie Keith Jarrett in seinen Solokonzerten nach einer Konzentration heischenden Nummer: Er unterlegt dem folgenden Stück ein kräftiges Ostinato der linken Hand und lässt die rechte in fröhlichen Melodien tanzen. Das Stück klingt nach Jarrett, und Werner tarnt dies auch nicht: Er gibt korrekt an, dass er seinem Kollegen mit dem „Encore From Tokyo“ aus dessen „Sun Bear Concerts“ huldigt.
Ausgeprägter als Jarrett spielt Kenny Werner so intuitiv und intensiv wie mit den Tönen selbst auch mit dem „Space“, dem Raum zwischen den Tönen. So hallen viele seiner Töne im Hörer noch nach, wenn sie schon verklungen sind. Dies bedingt, dass er sich von allem Überflüssigen gereinigt hat und in seinen Improvisationen auf garnierenden oder effekthascherischen Zierrat verzichtet.
In „Fifth Movement“ steht eine knappe, an den Herzschlag erinnernde Figur der linken Hand gegen üppige Trauben der Rechten – aber auch hier lässt Werner den Hörern etwas Luft zum Atmen und sich einfinden. „Taro“ und „Kiyoko“, zwei Stücke, die er vom Produzenten Jason Seizer übernommen hat, passen bestens zu Werners bedächtigem, zwischenraumreichen Spiel. Zudem offenbart sich Werner in seiner Version von Michel Legrands „You Must Believe In Spring“ als zurückhaltender Romantiker, und Ralph Raingers „If I Loose You“ verwandelt er in eine aufwühlende Gefühlsbeichte. Im Gegensatz dazu wirkt das abschließende „Fall From Grace“ wie eine sakrale, erneut zwischenraumreiche Meditation.

Werner Stiefele, 03.11.2018



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