Responsive image
Modest Mussorgski, Sergei Rachmaninow

„Bilder einer Ausstellung“, Études-Tableaux

Fauré Quartett

Berlin Classics/Edel 0301116BC
(58 Min., 12/2016, 3/2018)

Zu den meistarrangierten Werken der Klassik gehört Modest Mussorgskis Klavier-Zyklus „Bilder einer Ausstellung”. Da gibt es Fassungen für Solo-Akkordeon, für 44 (!) Pianisten und Orchester (Maurice Ravel). Für Synthesizer wurde dieser musikalische Bilder-Parcours ebenso schon einmal eingerichtet wie von der amerikanischen Rock-Band Emerson, Lake & Palmer, der mit ihrer Version ein erstaunlicher Coup gelang.
Nun hat der Pianist des Fauré Quartetts, Dirk Mommertz, zusammen mit Grigory Gruzman den „Bilder“-Reigen eben für das eigene Klavierquartett arrangiert. Und das Resultat ist ziemlich beeindruckend ausgefallen. In der Fassung für Klavier, Violine, Viola und Violoncello und dann noch gespielt vom Fauré Quartett geraten die Evergreen-Miniaturen zu aufregend neuen Klangtableaus mit so noch nie gehörten Konturen und Farben. Geradezu erbarmungswürdig, als ob Edgar Allan Poe ihn in eine Folterkammer gesteckt hätte, wimmert da der „Gnom“. Heilige (Gänsehaut-)Ruhe verströmt schon mal die „Promenade“. Schauerlich folgen die Streichinstrumente nacheinander dem Klavier in den Spuren des Ochsenkarrens. Bevor eine weitere „Promenade“ sich diesmal dünnfädig und schimmernd zu einem Trauermarsch entwickelt. Ganze Geschichten erzählen die vier Fauré-Musiker derart und auf kleinstem Raum, dass einem bisweilen heiß und kalt zugleich wird. Weshalb man sich gar nicht vorstellen kann, die „Bilder einer Ausstellung“ doch noch mal in einer anderen Fassung zu hören.
Quasi zur Einstimmung in die russische Klangwelt gibt es zudem fünf Klavier-„Études-Tableaux“ von Sergei Rachmaninow. Und wieder hat Dirk Mommertz mit seinen Arrangements die idealen Steilvorlagen für den auch kostbar innigen Atem geliefert, mit dem das Fauré Quartett gleichermaßen aufzutrumpfen versteht.

Guido Fischer, 22.11.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

An den Feiertagen immer wieder dieselben Weihnachtsklassiker hören? Wem dabei potenziell eher langweilig wird, dem sei die CD „O heilige Nacht“ des Dresdner Kammerchores wärmstens ans Herz gelegt. Was dem Titel nach zunächst verdächtig nach traditionellen Arrangements klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen und Hinhören als vokaler Ausflug in eine Zeit, auf die für Weihnachtsmusik nur selten zurückgegriffen wird: die Romantik. So singt der Chor unter der Leitung von […] mehr »


Top