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One Night Only – Live At The Royal Albert Hall

Gregory Porter

Blue Note/Universal 6780169
(79 Min., 4/2018) CD & DVD

Fast jeder Sänger träumt davon, mit seiner Band und einem vollständigen Orchester auftreten zu können. Für den Bariton Gregory Porter wurde dieser Wunsch Realität: Knapp ein Jahr nach der Produktion seines Albums „Nat King Cole & Me“ stand er drei Tage hintereinander mit dem London Studio Orchestra auf der Bühne der 5272 Besucher fassenden Royal Albert Hall. Die reagierten begeistert auf die Live-Fassung.
Tatsächlich zählt der auf CD und DVD physisch erhältliche Konzertmitschnitt zu den Highlights des Genres; Gregory Porter überzeugt mit einer ähnlichen Intensität wie Frank Sinatra auf dem Album „At The Sands“ mit der Count Basie Big Band. Mit einem Unterschied: Gregory Porter verzichtet auf große selbstdarstellerische Kommentare und konzentriert sich voll und ganz auf die Musik. Dass er dabei im April (!) „The Christmas Song“ ins Programm nahm, mag Verkaufskalkül entsprochen haben, denn das Package aus DVD und CD erscheint 24 Tage vor Weihnachten.
Vielleicht dachte Gregory Porter weder so weit noch so kommerziell, denn dieses Weihnachtslied zählt zu den größten Hits von Nat King Cole, dem das Programm gewidmet war. Vince Mendozas Arrangements verleihen ihnen ein bruchloses Klangbild, wobei sie der bereits mit zwei Grammys ausgezeichnete Amerikaner geringfügig auf die Konzertsituation abänderte. Daran, wie abwechslungsreich Streicher, Holz- und Blechbläser die Songs begleiten, wie sorgfältig sie an Gregory Porters Stimmführung und die Dynamik seiner Interpretation angepasst wurden, hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Live kommunizieren Stimme und Orchester noch intensiver.
Dass er zu den größten Jazzsängern der Gegenwart zählt, ist ein Gemeinplatz unter Jazzfreunden. Er singt seine Texte so verständlich wie einst Frank Sinatra – nur verfügt er über ein weitaus größeres Stimmvolumen und einen größeren Tonumfang als der unumstrittene Star des Entertainments. Dies ermöglicht Gregory Porter, die Inhalte der Texte nicht nur wiederzugeben, sondern sie auch nuancenreich zu gestalten. Dabei wirkt jeder Ton konzentriert und lässig zugleich – das eint ihn mit Nat King Cole, Tony Bennett und den anderen großen amerikanischen Entertainern.
Sämtliche auf dem Studioalbum von 2017 vorgestellten Songs hat Gregory Porter ins Konzert übernommen. Fünf weitere Stücke aus Cole Porters Repertoire sowie die zwei Songs, „No Love Dying“ und „Don´t Lose Your Steam“, die er selbst komponiert hat, ergänzten das Programm. Sie integrieren sich unauffällig in das Konzertgeschehen, wobei Porter in der sechsminütigen Zugabe dran erinnert, wie ihn seine Mutter ermahnte, nie seine Träume und seine Energie zu verlieren. In einem 22-minütigen, auf der DVD als Bonus gelieferten Interview erklärt Gregory Porter sein Verhältnis zu Nat King Cole und einzelnen Songs.

Werner Stiefele, 01.12.2018



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