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Pascal Dusapin

„Wenn du dem Wind …“, „Aufgang“, „À quia“

Nicolas Hodges, Carolin Widmann, Natascha Petrinsky, Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé

BIS/Klassik-Center BISSACD-2262
(79 Min., 7/2017) SACD

Seine Passion für die streng durchkonstruierte Klangekstase verdankt Pascal Dusapin zwei Komponisten, die er einmal als seine spirituellen Väter bezeichnet hat. Edgard Varèses „Arcana“ von 1927 wurde mit seiner Mischung aus Komplexität und aufwühlender Kraft für Dusapin zum musikalischen Erweckungserlebnis. Und an Iannis Xenakis sollte ihn dessen rigoroses Spiel mit Spannungen und Konflikten faszinieren. Auf diesen geistigen Fundamenten ist in den letzten vier Jahrzehnten ein beachtliches und vor allem vielschichtiges Werk entstanden, mit dem sich der inzwischen auch schon 63-jährige Dusapin längst mit an die Spitze der aktuellen Neue Musik-Szene gesetzt hat. Jetzt widmete ihm das von Pascal Rophé geleitete Orchestre National des Pays de la Loire ein Album und hat dafür drei Werke jüngeren und jüngsten Datums ausgesucht. Von 2002 stammt das Klavierkonzert „À quia“. 2011 schrieb Dusapin das Violinkonzert „Aufgang“. Und drei Jahre später bündelte er aus seiner Kleist-Oper „Penthesilea“ drei Szenen zu einer Drei-Personen-Suite „Wenn du dem Wind …“ für Mezzosopran und Orchester. Es sind auf den ersten Blick Werke mit einem völlig eigenständigen musikalischen Innenleben. Die Opern-Suite, bei der Natascha Petrinsky in die Partien der Penthesilea, ihrer Vertrauten Prothoe sowie der Priesterin schlüpfen muss, erinnert angesichts der scharfkantigen, wild fluoreszierenden und gnadenlos unter Hochdruck stehenden Seelenporträts an die Wiener Moderne, etwa an Bergs „Wozzeck“. Ein ganz anderer Unruheherd ist das Violinkonzert „Aufgang“ nicht zuletzt auch dank seiner antipodischen Dramaturgie aus atemloser Rasanz und asiatisch anmutender Filigranität. Und das Klavierkonzert „À quia“ setzt sich zunächst motorisch robust in Szene – bevor es sich auch in den Klangzauber-Regionen verzweigt, die von Ferne die französische Moderne und da nicht zuletzt Debussy zu beschwören scheint. Mit Nicolas Hodges ist einer der besten Kenner der zeitgenössischen Klaviermusik zu erleben. Auch die beiden anderen Solo-Parts sind mit Mezzosopranistin Natascha Petrinsky sowie Geigerin Carolin Widmann schlichtweg großartig besetzt – in zwei Kompositionen, die zusammen mit „À quia“ den Hörer zu keiner Sekunde unberührt lassen.

Guido Fischer, 05.01.2019



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