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Hector Berlioz

Harold en Italie, Les nuits d´été

Tabea Zimmermann, Stéphane Degout, Les Siècles, Franҫois-Xavier Roth

harmonia mundi HMM902634
(64 Min., 3 & 8/2018)

Die Werkkombination dieses Berlioz-Programms gab es in den letzten Jahren bereits einmal auf CD. Da dirigierte Marc Minkowski seine Musiciens du Louvre, Antoine Tamestit war Solist in „Harold en Italie“ und den Solopart im Liedzyklus „Les nuits d´été“ übernahm – ganz klassisch mit einer Frauenstimme besetzt – Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter. Nun also hat Franҫois-Xavier Roth zusammen mit seinem phänomenalen Originalklang-Ensemble Les Siècles diese beiden Klassiker der französischen Romantik erneut zusammen aufgenommen. Wobei Roth bei der Besetzung der sechs Sehnsuchtslieder einen etwas anderen Weg gegangen ist, der durchaus im Geiste des Komponisten ist. Denn allzu oft wird vergessen, dass Berlioz „Les nuits d´été“ später immerhin für diverse Stimmlagen eingerichtet hat, darunter das Lamento „Sur les lagunes“ für Bariton. Stéphane Degout bringt dafür nun den nötigen Nuancenreichtum und die hier leicht abgedunkelte Ausdruckstiefe mit. Aber auch in den restlichen fünf Chansons weiß er mit seiner körperreichen und beste Textverständlichkeit garantierenden Stimme zu beeindrucken. Man könnte anmerken, dass zwischendurch in Degouts Timbre vielleicht ein Schuss Wagnérisme zu viel mitschwingt, darf dies aber gerne auch als kleinen Hinweis auf das zwiespältige Verhältnis zwischen Berlioz und Wagner nehmen.
Mit der Bratschistin Tabea Zimmermann als Prima inter pares feiern Roth und seine Musiker, die auf Instrumenten der Berlioz-Zeit spielen, „Harold en Italie“ nach allen Regeln der Kunst. Alles duftet und strahlt, atmet und singt. Nichts muss da der bestmöglichen Einlösung der historischen Aufführungspraxis unterworfen werden. Vielmehr gehen Partiturtreue und Poesie einfach wunderbar Hand in Hand. Ein mehr als nur gelungener Start ins Berlioz-Jahr 2019!

Guido Fischer, 02.02.2019



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